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Sagen

Gruselgeschichten und Zauberei

 

Wetter und Hagel machen  

Die Gespenstermäher

Die in der Luft gesehenen Kugeln

 

Wetter und Hagel machen

Im Jahr 1563 wurden zu Berlin zwei Zauberinnen gefangen, die sich darin verstanden, durch Hagel und Unwetter die Früchte auf dem Feld zu verderben. Diese zauberischen Weiber bekanntes, dass sie einer anderen Frau ihr Kind gestohlen, es zerstückelt und kochen wollten. Die Mutter des Kindes war dazugekommen und hatte ihr Kind im Kochtopf gesehen. Die Zauberinnen bekannten auch, wenn sie das Kind gekocht hätten, wären alle Früchte auf dem Land durch Unwetter verdorben worden.

Zu einer Zeit waren in einem Wirtshaus zwei Zauberinnen zusammengekommen, die hatten zwei Kübel mit Wasser an einen besonderen Ort gesetzt und ratschlagten miteinander: ob es dem Korn oder dem Wein sollt gelten. Der Wirt, der in einem heimlichen Winkel stand, hörte das mit an und abends, als sich die zwei Weiber zu Bett gelegt, nahm er die Kübel und goss sie über sie aus, da wurde das Wasser zu Eis, so dass beide zu Tod froren.

Eine arme Witwe, die nicht wusste, wie sie ihre Kinder ernähren sollte, ging in den Wald, Holz zu lesen, und bedachte ihr Unglück. Da stand der Böse in eines Försters Gestalt und fragte: warum sie so traurig? Ob ihr der Mann gestorben? Sie antwortete: »Ja.« Er sprach: »Willst du mich nehmen und mir gehorsamen, will ich dir Geld die Fülle geben.« Er überredete sie mit vielen Worten, dass sie zuletzt wich, Gott absagte und mit dem Teufel buhlte. Nach Monatsfrist kam ihr Buhler wieder und reichte ihr einen Besen zu, darauf sie ritten durch dick und dünn, trocken und nass auf den Berg zu einem Tanz. Da waren noch andre Weiber mehr, deren sie aber nur zwei kannte, und die eine gab dem Spielmann zwölf Pfennig Lohn. Nach dem Tanz wurden die Hexen eins und taten zusammen Ähren, Rebenlaub und Eichblätter, damit Korn, Trauben und Eicheln zu verderben; es gelang aber nicht recht damit, und das Hagelwetter traf nicht, was es treffen sollte, sondern fuhr nebenbei. Sich selbst brachte sie damit ein Schaf um, das zu spät heimkam.

 

Das Unwetter wurde einst als Zauber einer weiblichen Gottheit angesehen. Die Göttin des Mondes gebietet dem Wasser. Die Christen gingen gegen dieses zauberische Treiben vor- die entfesselte Natur oder das dämonische Weib, war unter allen Umständen zu bändigen. Den Wetterhexen gingen Frauen voraus, die sich mit der Axt in der Hand auf das Feld stellten, um das nahende Unwetter zu steuern, die den Hausbrunnen hüteten, und sich einmal jährlich versammelten, um den Dorfbrunnen zu reinigen.

Kein Mann durfte zugegen sein, wenn die Frauen nackt ihr Ritual vollzogen, das sie mit Sonnenaufgang beendet haben mussten. Dann bekränzten sie den Brunnenstein mit Blumen und schmückten den Dorfplatz für das darauffolgende Fest.

Die Gespenstermäher


Im Jahre 1559 zur Haferernte wurden plötzlich in der Nähe von Berlin viele Mannspersonen auf dem Felde gesehen, die grauenvoll anzuschauen waren. Zuerst nur fünfzehn, dann kamen noch zwölf weitere dazu, welche noch furchterregender aussahen als die ersten, denn ihnen fehlte der Kopf. Alle siebenundzwanzig hieben mit ihren Sensen mit aller Gewalt in den Hafer, dass man es nur so rauschen hörte, und doch blieb der Hafer stehen. Das Gerücht dieses Geschehens verbreitete sich mit Windeseile in Berlin und Cölln, und aus der Stadt und vom Hofe liefen viele Leute vor die Tore, um sich das Wunder anzusehen. Wenn man die Männer fragte, wer sie seien und woher sie kämen, so antworteten sie nichts. Als einige sehr Mutige auf sie zutraten und sie anzufassen versuchten, da entwischten die Gestalten wie Schatten vor ihren Händen, aber dabei immerfort in den Hafer hauend. Die Erscheinung soll ein paar Tage angehalten haben.
Die Berliner Bürger meinten, das würde nichts Gutes bedeuten. Kurfürst Joachim II. war ebenfalls dieser Ansicht und ließ die vornehmsten und bekanntesten Prediger der Mark Brandenburg vor sich kommen, um von ihnen zu hören, was diese Erscheinung zu bedeuten habe. Genaues wussten die Prediger nicht zu sagen. Sie hielten dafür, dass die gespensterhaften Mäher eine Strafe des Himmels ankündigen wollten, vielleicht eine Pestilenz.

Die in der Luft gesehenen Kugeln.

Im Anfang des Julius 1677 hat sich bei Berlin dieses folgende Wunder zugetragen, welches von vielen hundert Menschen gesehen worden. Gegen den Untergang der Sonne flogen durch die Luft etliche tausend Kugeln, etliche so wie die aus Feuermörsern, andere so wie die man aus grobem Geschütz und Musketen schießt. Sie gingen aus dem Westen nach Norden, gleich als nach dem Domhofe und von dannen wieder zurück nach der Mühlenpforte und drehten sich ostwärts hin. Dieses wehrete länger als eine Stunde, hernach fielen diese Kugeln auf die Erde herab, aber als geronnen Blut, etliche groß und andere klein; wenn man dieselben aufhob und das Blut zu fassen vermeinte, so war es weg; wenn man aber die Kugeln wieder niederlegte, war das Blut wieder wie zuvor zu sehen, bis daß endlich Alles wieder verschwand.

Quelle: Grässe, Johann Georg Theodor, Sagenbuch des Preußischen Staates, Glogau,