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Sagen

Sagen aus Treptow-Köpenick

Das Grab des Riesenkönigs

Der Teufelssee und die Müggelberge  

Die Prinzessin im Teufelssee  

Der Wassermann im Teufelssee  

Der Teufelsaltar in den Müggelbergen  

Nur einmal im Jahr steigt Wanda empor ...  

Köpenicker Spukgestalten  

Wie Köpenick zu seinem Namen kam

Der Hubertus-Hirsch in der Köpenicker Heide 

Die Seufzerbrücke

Der Frauentog

Der Hauptmann von Köpenick  

 

 

Das Grab des Riesenkönigs

Einst, so erzählt man sich, hausten Riesen auf den Müggelbergen und auch weiter südlich bei Selchow und Rotzis. Zwischen diesen beiden Sippen entbrannte ein heftiger Kampf und die Riesen warfen mit mächtigen Felsbrocken aufeinander, die noch heute in der ganzen Gegend herumliegen. Schließlich fiel der Riesenkönig in der Schlacht und sie begruben ihn in dem Hühnenberg bei Rotzis. Zuerst legte man seine Gebeine in einen goldenen Sarg, diesen dann in einen silbernen und den schließlich in einen aus Eisen. Diesen eisernen Sarg hat man tief im Hühnenberg vergraben, wo er noch heute liegt. Denn obwohl viele das Gold und das Silber reizte und sie nach dem Riesenkönig gruben, hat ihn bis heute keiner gefunden.

Der Teufelssee und die Müggelberge

 

Im Osten von Köpenick bilden Spree und Dahme eine Insel, über welche sich die Müggelberge hinziehen. Sie sind dicht mit Wald bewachsen.

Um die Müggelberge ranken sich viele Sagen, ebenso um den kleinen waldbestandenen Teufelssee.

Wer da zur Nachtzeit vorbeigeht, dem erscheint möglicherweise die „wilde Jagd“, die mit Hörnerrufen und lautem Gepolter durch den Wald zieht. Beginnt aber der neue Tag, dann ist das wilde Treiben vorbei.

 

Die Prinzessin im Teufelssee

 

In dem Schilfgürtel des Teufelssees lag früher ein großer Stein. Man nannte ihn den Prinzessinnenstein, denn er zeigte die Stelle an, an der einmal ein prächtiges Schloss gestanden hatte, das von einer Prinzessin bewohnt wurde, die nach einer Verwünschung samt ihrem Palast im Moor versank. In der Johannisnacht steigt die Prinzessin aus dem See ans Ufer, wo sie seufzt und weint.

Ein Mädchen hatte sich in einer solchen Nacht im Wald verirrt, als sie auf die Prinzessin traf. Diese führte das Kind hinunter in den See zu ihrem Schloss, bewirtete es und gab ihm viele Geschenke. Dann brachte sie das Kind wieder hinauf auf die Erde, wo die Mutter das Kind gesund und reich beschenkt fand.

Ein junger Mann sah die Prinzessin in einer Nacht zum Johannistag aus dem Berg hervorkommen. Sie hatte ein Kästchen mit viel Gold in der Hand. Dies versprach sie ihm zum Lohn, wenn er sie auf den Rücken nähme und dreimal um die Köpenicker Kirche träge, er dürfe sich dabei aber nicht umsehen – sonst würde sie nicht erlöst.

Der Mann fasste Mut und nahm die Prinzessin auf den Rücken – sie war federleicht. Aber je näher er der Stadt kam, desto schwerer wurde sie. Doch er trug sie tapfer bis zur Kirche. Jetzt begann er den ersten Umgang. Da erschienen ihm Schlangen und Kröten und allerlei hässliche Tiere mit feurigen Augen- kleine Leute warfen mit Holzstücken und Steinen nach ihm. Aber er ließ sich nicht beirren und schritt getrost weiter. Fast hatte er schon den dritten Umgang beendet, da bemerkte er hinter sich einen fürchterlichen roten Schein, als würde ganz Köpenick brennen. Da vergaß er das Verbot und sah sich um. Im Augenblick war alles verschwunden – und ein heftiger Schlag raubte ihm das Leben.

 

 

 

Der Johannistag ist der Jahrestag der Geburt von Johannes, dem Täufer am 24. Juni. Das Johannisfeuer (oder Würzfeuer, Nodfeuer, Hagelfeuer) ist ein ursprünglich heidnischer und im Volksleben fortlebender, zum Teil auch christianisierter Brauch und wird in der Nacht vor dem Johannistag angezündet. Es hängt wohl mit verschiedenen anderen religiös motivierten Feueropfern zusammen. Dem Volksglauben nach sollte es Dämonen abwehren, die böse sind, Krankheiten bringen, Viehschaden und misswüchsige Kinder hervorbringen. Darauf deuten auch die Strohpuppen, die man in manchen Gegenden ins Feuer wirft. Insbesondere sollten auch Hagelschäden abgewehrt werden. Der Umlauf mit Fackeln und das Umwälzen eines Rades ist eine Besonderheit beim Johannisfeuer. Das brennende Rad wird oft als Sonne bezeichnet. Schließlich steht es in enger Verbindung zur am 21. Juni stattfindenden Sommersonnenwende.

Liebespaare springen gemeinsam durch das Feuer, damit ihre Liebe weiterhin glücklich bleibt. Um „alles Unglück für das kommende Jahr abzuwaschen”, gehörten mancherorts „Quellgänge” zum Johannistag. Es musste fließendes Wasser aus Quellen oder Bächen sein, in dem man die mit Blumen geschmückten Frauen besprengte

 

 

 

Der Wassermann im Teufelssee

 

Eine andere Geschichte erzählt von einem Wassermann im Teufelssee, der ein kleines Mädchen zu sich eingeladen und es bewirtet hatte. Als das Kind auf die Erde zurückkam, fand man es im Moor stecken, aber gesund und munter. Jedoch sehnte sich das Kind so sehr nach dem Wassermann zurück, dass es krank wurde und bald starb.

 

Der Teufelsaltar in den Müggelbergen


In den Müggelbergen stand einmal ein Teufelsaltar. Das war ein Stein etwa sieben Fuß lang und sechs Fuß breit, und nächtliche Wanderer, die an dieser Stelle vorüberkamen, wurden durch allerlei Spuk geängstigt. Deshalb beschlossen die beherzten Müggelheimer, dem Treiben ein Ende zu machen. Am hellen Tage zogen sie in die Müggelberge, räumten den Stein zur Seite und zerschlugen ihn, um aus den Trümmern die Brunnen ihres Ortes zu bauen. Aber noch lange nachher sah man an der Stelle, wo der Stein gelegen hatte, des nachts einen Feuerschein oder eine große goldglänzende Kanne. Beide Erscheinungen verschwanden, wenn man sich ihnen näherte.

 

Nur einmal im Jahr steigt Wanda empor ...

Weithin bekannt ist die Sage von dem versunkenen Schloß und der Prinzessin vom Teufelssee am Fuße der Müggelberge in Köpenick. In einer anderen Sage aus slawischer Zeit wird die Entstehung des Teufelssees mit dem Schicksal der Gemahlin Jaczos von Köpenick, Wanda, verbunden. Nach sieben vergeblichen Versuchen der Wenden, die Panzerreiter Albrechts des Bären zu schlagen, kehrte Jaczo nach Köpenick zurück, fragte die Kriwen - die Priester und Weisen - seines Volkes um Rat: »Was soll ich tun, daß den Göttern und unserem Volke der Sieg werde?« Die Kriwen sprachen: »In den Müggelbergen mußt du eine Burg gründen, und, um sie unbezwinglich zu machen, dein Weib Wanda in die Gewölbe einmauern lassen!«
Wanda fügte sich in das Priesterurteil. Als man begann, Steine um sie herum aufzuschichten, sollen schwere Gewitter und ein Erdbeben die begonnene Burg vernichtet haben. »Als die Sonne am anderen Tage wieder schien, waren nur noch sechs Müggelberge vorhanden. An der Stelle des siebenten lag dunkel und still ein See, der Teufelssee. In der Tiefe des Sees aber weilt Wanda bis zum heutigen Tage und steigt nur einmal im Jahr empor, um nach Jaczo, ihrem Gatten, auszuschauen, der seit jenem Tage wahnsinnsbefallen die Welt durchstreift. Kehrt er je zurück, dann steigt aus dem Grunde des Teufelssees die unbezwingliche Wendenburg empor.«

Köpenicker Spukgestalten

An der Wuhlheide, im Sand neben der Pyramidenbrücke, die über die Wuhle führte, hatte ein großer schwarzer Hund sein Lager. Er hieß Morro. Tagsüber schlief er, aber abends und vor allem in der Nacht lief er mit feurigen Augen durch die Straßen der Stadt. Stundenlang saß er oft vor den Häusern gewisser Leute, die selbst etwas Unheimliches an sich hatten, und bei denen nicht alles mit rechten Dingen zuging.
Aber nicht nur der Hund machte die Stadt unsicher. Manchmal sah man zur Nachtzeit einen Reiter ohne Kopf auf einem Schimmel durch die Straßen reiten. Eine Meute von gleichfalls kopflosen Hunden folgte ihm.

Treptow-Köpenick.

Im Schloss zu Köpenick wohnte einst eine Prinzessin, welche eine unglückliche Liebe hatte; die soll sich, als sie das Leben nicht länger ertragen mochte, von der Schlossbrücke in den Graben hinabgestürzt haben und so ums Leben gekommen sein. Nun aber hat sie keine Ruhe im Grab, und sie geht im Schloss um. Man sieht ihren weißen Schleier oft des Nachts von der Plattform herabwehen.

 

Wie Köpenick zu seinem Namen kam

 

Es war einmal ein Fischer, der am Müggelsee seine Netze auswarf. Eines Tages kam ein großer Krebs ans Ufer geschwommen. Der redete den Fischer an: “Ich will dir viel Glück bringen und dich zum reichen Mann machen, wenn du mich aus dem Wasser nimmst und mich zum ersten Ort jenseits der Spree bringst.“ Darauf nahm der Mann den Krebs und ging mit ihm in die nächste Stadt, um ihn dort auf dem Markt zu verkaufen. Als er einen Käufer gefunden hatte, begann der Krebs jedoch zu rufen: “Kööp nich! Kööp nich!“ Nun dachte der Fischer wieder an das, was der Krebs gesagt hatte, behielt ihn und ging weiter. Er setzte über die Spree nach Stralau, wo er den Krebs für viel Geld verkaufte.

Zum Andenken aber an die Worte, die der Krebs vor allen Leuten auf dem Markt der ersten Stadt gesprochen hatte, wurde diese von nun an Köpenick genannt. Die Stralauer aber zeigen noch jährlich am Tag des großen Fischzuges, am 24. August, den großen Krebs, der von Köpenick nach Stralau gebracht worden war.

 

Der Hubertus-Hirsch in der Köpenicker Heide


Es war im Jahre 1570, Joachim II. jagte wieder einmal in der Köpenicker Heide und verfolgte einen stattlichen Hirsch. Der blieb plötzlich stehen, drehte sich nach dem Kurfürsten um, und zwischen seinem Geweih leuchtete ein Kreuz auf. Da tat der Kurfürst das, was der Legende nach Sankt Hubertus getan hatte – er stieg vom Pferd, kniete nieder und betete. Als er aufschaute, war der Hirsch verschwunden. Joachim nahm die Erscheinung als Mahnung, dass er bald sterben würde. Im darauffolgenden Jahr starb er dann auch.
 

 

Der Frauentog


Während einer großen Hungersnot, die das Brandenburger Land heimsuchte, hatten auch die Fischer aus dem Kietz bei Köpenick ihre Sorgen. Weder im Müggelsee noch in Dahme oder Spree ließen sich Fische fangen, und man wusste nicht, wie und wovon man leben sollte. Da taten sich die Köpenicker Frauen zusammen und fischten heimlich in der Nacht an einer Stelle mitten in Köpenick, wo es bisher keinem eingefallen war sein Glück zu versuchen. Es war ein kleiner Wasserarm östlich der Schlossinsel. Sie hatten Erfolg. Netz für Netz, prall mit Fischen gefüllt, zogen sie in die Boote. Am Morgen zeigten sie ihren Fang den staunenden Männern. Fürs erste war die Hungersnot zu Ende. Der Spreearm heißt seitdem der Frauentog (Frauenzug).

Die Seufzerbrücke

   

Eine hübsche Prinzessin aus dem Geschlecht der Askanier soll einst im Köpenicker Schloss gewohnt haben, die eifrig auf die Jagd ging. Dabei gewann sie einen schmucken Jägersmann lieb, der sie dann auch öfters in der Feste besuchte. Um nicht entdeckt zu werden, nahm er seinen Rückweg durch den Fluß, der Dahme genannt wird, und schwamm bis zur langen Brücke. Dort pflegte er noch kurz zu verweilen und jedesmal winkte ihm der weiße Schleier der Prinzessin noch einen letzten Gruß von der Plattform zu.
Der Schleier aber sollte der heimlichen Liebe zum Verhängnis werden. Denn eines Nachts gewahrte einer der Brüder der Prinzessin das Winken und da wurde furchtbare Rache an den beiden geübt. Die Schwester ließen sie zur Strafe für die zugefügte Schmach im Burgverlies am Flußufer lebendig einmauern, während der Jäger an einem Pfeiler der Brücke aufgehängt wurde.
Seit dieser Zeit hat man lange, lange Zeit allnächtig ein banges Seufzen von der Brücke her vernommen und über dem Wasser zwischen Festung und Brücke konnte man einen weißen Schleier schweben sehen. Daher hat man die lange Brücke, die über die Dahme zur Feste führt, damals nur die "Seufzerbrücke" genannt. Erst nach langen hundert Jahren sollen die Liebenden ihre Ruhe gefunden haben, so dass auch der Name Seufzerbrücke allmählich wieder verschwand.


Der Hauptmann von Köpenick

 

„Ein Gaunerstückchen, äußerst frech und raffiniert ausgesonnen und verwegen in Szene gesetzt, daher erst viel später als ein solches erkannt, brachte gestern die Gemüter der Stadt Cöpenick in Aufregung (...).Wenn man bedenkt, dass es einem geriebenen Hochstapler, der sich in eine Offiziersuniform gesteckt, gelungen ist, zwölf Soldaten auf ihrem Wege von der Wache nach der Kaserne in Berlin anzuhalten und auf seinen bloßen Befehl hin nach Cöpenick zu dirigieren, dort das Rathaus zu besetzen, den Bürgermeister, Oberstadtsekretär und Stadtkassenrendanten festzunehmen und dann mit der ‚beschlagnahmten’ Kasse unbehelligt zu entkommen, so kann man sich eines Kopfschüttelns nicht erwehren“, meldete das Cöpenicker Tageblatt vom 17. Oktober 1906. Tatsächlich hatte Wilhelm Voigt, der 1849 als Sohn eines Schuhmachers in Tilsit geboren wurde, als „Hauptmann von Köpenick“ Geschichte geschrieben. Die Autobiographie Voigts, die 1909, ein Jahr nach seiner Haftentlassung, erschien, ist selbst noch einmal ein „Gaunerstückchen“ für sich, zeigt es doch, dass der „Hauptmann“ ein größeres Schlitzohr war, als bislang angenommen wird. Vermutlich plante er bei der Besetzung des Rathauses von vornherein  einen Geldraub. Wilhelm Voigt aber machte aus sich ein Opfer der Bürokratie, wofür er auch auf  den anschließenden Lesereisen viel Sympathie erhielt.

Carl Zuckmayer hat 1930 diese Geschichte als Vorlage für ein Theaterstück genommen.

Am 16. Oktober erinnert der Stadtteil Köpenick an diese „Köpenickiade“ mit Umzug und großem Fest.