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Sagen von Spandau

Wie der Teufel einen Kurrendeknaben holte

Der Spuk in der Nikolaikirche

Der Musikant in der Bärengrube

 

Wie der Teufel einen Kurrendeknaben holte

 

   

Riss in der Mauer von der Nikolai-Kirche in Spandau  (2006) 

 

 

Bevor Luther seine Lehren verkündete war die Nikolai-Kirche zu Spandau katholisch.  Es war zu der Zeit üblich, dass arme Schüler als Chorknaben ihr Geld verdienten, indem sie von Haus zu Haus liefen und sangen. Man nannte sie "Kurrende-Knaben". In der Spandauer Nikolai-Kirche hatten sie aber auch die Aufgabe, diese zu reinigen.  Ihr könnt euch vorstellen, dass dies den Kindern keinen großen Spaß machte und sie sich darum drückten, wenn sie konnten. Einmal spielten sie stattdessen Karten. Da kam ein Kirchenbesucher und wollte mitspielen. Sie erlaubten es  auch. Als er aber eine Karte nach der andern fallen ließ, vermuteten sie wohl, dass es der Teufel wäre, spielten aber doch weiter, und einer, der viel verlor, meinte sogar, ihn solle der Teufel holen, wenn er noch weiter verlöre. Er spielte weiter und verlor wieder. Da sprang der Böse auf, riss ihn zu sich und zog ihn mit in die Höhe. Die Mauer tat sich auf und beide verschwanden. Der Riss in der Mauer ist noch bis auf den heutigen Tag zu sehen und kann nicht übertüncht werden.  

 

 

Die Nikolai-Kirche wurde öfters durch  Blitzeinschläge, Brände und Kriege zerstört. Immer wieder wurde sie repariert und aufgebaut. Eine Kugel aus dem ersten Weltkrieg steckt in der Kirchenmauer (2006)

 Der Spuk in der Nikolai-Kirche

Auch ein anderes Mal soll durch den Übermut der Kurrende-Knaben etwas Merkwürdiges in der Nikolai-Kirche passiert sein. Früher gab es in der Kirche noch mächtige dicke Bücher, die an Ketten lagen. Darunter sollen auch das VI. und VII. Buch Moses gewesen sein, in denen alle die alten Zaubergeschichten enthalten sind. Wie nun wieder einmal die Kurrende-Knaben in der Kirche saubermachten, kamen sie an diese Bücher, und vorwitzig, wie die Knaben sind, öffneten sie diese um zu sehen, was darin steht. Kaum aber hatten sie diese aufgeschlagen und fingen an zu lesen, da war die ganze Kirche von unten bis oben voll von allerhand Geistern. Natürlich überfiel sie eine furchtbare Angst, und es war noch ein Glück, dass der Pfarrer hinzukam. Der fing an, das Buch rückwärts zu lesen - da verschwand der Spuk.

Der Musikant in der Wolfsgrube

In alten Zeiten lebten in den Wäldern rund um Berlin Wölfe. In ganzen Rudeln zogen sie in den Winterzeit über die Felder und Wiesen und rissen Schafe und Hühner. Um die Wölfe zu fangen, wurden rund um die Dörfer Wolfsgruben gegraben. Einmal spielte ein Musikant auf einer Hochzeit in Spandau auf. Statt die Nacht im Schutz des Hauses zu verbringen, lief er noch spät abends übers Feld in Richtung Schönwalde. Betrunken wie er war, fiel er prompt in eine dieser Wolfsgruben und musste dabei bemerken, dass diese bereits besetzt war - von einem grimmigen hungrigen Wolf. Dem Spielmann lief der Angstschweiß über die Stirn, als er die gefletschten Zähne des Tieres sah. Er setzte das Mundstück seines Dudelsacks an die Lippen und begann zu spielen. Da spitzte der Wolf seine Ohren und gab Ruhe. Die ganze Nacht spielte der Musikant, bis er völlig erschöpft am anderen Morgen von Spandauer Jägern  gefunden und befreit wurde. 

 


 

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