motzbuch - der Buchladen in Schöneberg

 

 

motzbuch-edition:

Viktoria-Luise-Platz

Nollendorfplatz

Tiergarten

Winterfeldtplatz neu

Sagen

 

 

 

 

zurück

 

Schlossgeschichten 

Die weiße Frau im Berliner Schloss

Anna Sydow, die schöne Gießerin

Gräfin von Orlamünde

Unterirdische Gänge

Die eiserne Jungfrau

Das Unwetter und Kurfürst Joachim I

Das Bild des Kurfürsten von Sachsen in Berlin

Der zerbrochene Ring

Der starke Jochem

Vorzeichen des Todes der Könige von Preußen

Der Hase im Schlosskeller

Die fünf weißen Ratten im Schloss Monbijou

Die schwarze Frau im Charlottenburger Schloss

Stadtschloss Berlin um 1900

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die weiße Frau im Berliner Schloss

Beim Schloss-Neubau im Jahr 1709 wurde in einer Mauer ein weibliches Skelett gefunden, welches man für das der weißen Frau hielt und auf dem Domkirchhof begrub. Damit erhoffte man sich, sie würde nunmehr nicht wiederkommen. Als sie es aber noch einmal unter Friedrich Wilhelm I. wagte zu erscheinen, machte der König kurzen Prozess, ließ das Gespenst von der Wache gefangen nehmen und öffentlich an den Pranger stellen, worauf der Spuk aufhörte. Erloschen war freilich das Gespräch damit noch nicht ganz. Bedeutsame Ereignisse, die ihre Schlagschatten vor sich werfen, haben gelegentlich den alten Glauben immer wieder angeregt. Und die eigentümlichen Baulichkeiten im Schloss mit den langen, im ganzen wenig erleuchteten Gängen, den vielen Treppen und Korridoren und all den weiten Räumen, was in der Stille der Nacht leicht etwas Unheimliches bekommt, trugen dazu bei. So wollte man z. B. im Jahre 1840, als König Friedrich Wilhelm III. im Sterben lag - da außer 1540 immer im Jahre 40 jedes Jahrhunderts hier ein Hohenzollernscher Fürst gestorben war -, wieder die weiße Frau im Schloss gesehen haben.

Die weiße Frau trat als eine Art Schutzgeist auf, der bei allen Familienereignissen seine Teilnahme bekundet, aber auch als ein unheimlicher Rachegeist, der umgeht. Das Gespenst trug ein langes weißes Gewand und eine gleiche Haube mit hinten zurückgeschlagenem, langen Witwenschleier. Es wandelte damals nachts durch die Gänge im langsamen, ernsten Schritt; wer ihr begegnete und sie grüßte, dem dankte sie durch Neigen ihres Hauptes, sprach aber nie ein Wort.
Standen Festlichkeiten bevor, dann hörte man überall das geheimnisvolle Walten der weißen Frau. Türen sprangen auf und fielen wieder zu, Schlösser rasselten, und was es noch an geheimnisvollen Geräuschen gab. War der Lärm vorüber, so strahlte alles in doppeltem Glanz zum Empfang der Gäste. Waren die Gäste wieder fort, so wiederholte sich das Spiel, und so spät es auch in der Nacht geworden war, am andern Morgen war alles wieder in Ordnung und an Ort und Stelle, ohne dass eine Menschenhand daran gerührt hätte.
Auch sonst sah die weiße Frau angeblich nach dem Rechten. War die Dienerschaft lässig oder versäumte ihre Pflicht oder führte gotteslästerliche Reden oder reizte jemand sie im Übermut, dann machte sich ihr Zorn durch Schläge, Steinwürfe und Schrecknisse aller Art bemerkbar. Besonders bewies sie aber ihre Teilnahme an allem, was die einzelnen Familienmitglieder betraf. Oft, wenn die Ammen  bei den fürstlichen Kindern eingeschlafen waren und plötzlich aufwachten, dann sahen sie die weiße Frau über die Wiege gebeugt stehen oder auf ihren Armen das Kind herumtragen und warten. 
Wenn ihr plötzliches Erscheinen einen Todesfall verkündete, dann trug sie meist an beiden Händen schwarze Handschuhe.   Durch sie soll schon Joachim II. alle Todesfälle in seiner Familie erfahren haben. Auch den Tod Johann Sigismunds sollte die weiße Frau durch ihr Erscheinen vorher verkündet haben. 

1666 strafte sie bös einen, der sie verspottet hatte. Als nämlich wieder viel Gerede von der weißen Frau war, hatte der Oberstallmeister des Großen Kurfürsten von Burgsdorf viel gehöhnt und gemeint, es reize ihn wohl, sie zu sehen. Wie er nun einmal aus den Gemächern des Großen Kurfürsten kommt und die Stiege hinuntergehen will, da tritt ihm die weiße Frau entgegen. Dreist redet er sie an: "Du Alte! Hast du noch nicht Blut genug getrunken; willst du noch mehr holen?" "Da krieget sie", sagt ein alter Bericht, "ihn bei dem Hals und wirft ihn die Stiegen hinab, dass ihm sein Wams platzet und die Rippen krachen; doch ohne weiteren Schaden. Worauf der Kurfürst, das Poltern hörend und das Klagen, den Kammerpagen mit Licht sandte, um nachsehen zu lassen, was es gäbe."

Ein Jahr später - also im Jahr 1667 - behauptete Luise Henriette, des Großen Kurfürsten erste Gemahlin, sie habe, als sie in ihr Gemach trat, die weiße Frau an ihrem Schreibtisch sitzen sehen, und ihr bald darauf erfolgender Tod gab zur Vermehrung des Geredes von der weißen Frau Veranlassung. Die Folgezeit bürgerte den Glauben an ihr Erscheinen nur immer fester ein. 1688 wollte man sie z. B. vor dem Tod des Großen Kurfürsten wieder gesehen haben.

Anna Sydow

1598 bei dem Tod des Kurfürsten, Johann Georg, fing man an, von der weißen Frau zu sprechen. Sie soll sich acht Tage vor seinem Hinscheiden haben sehen lassen. Und zwar sagte man, es sei der Geist der Anna Sydow, der schönen Witwe des Stückgießers Dietrich, die deshalb auch "die schöne Gießerin" genannt wurde. Sie war die Geliebte von Kurfürst Joachim II.  Sein Sohn Johann Georg aber hatte sie nach des Vaters Tod, trotzdem er ihm versprochen hatte, sie zu schonen, nach Spandau geschickt, wo sie in lebenslänglicher Gefangenschaft verblieb und deshalb nun nach ihrem Tod umgehen soll.  

Die Gräfin von Orlamünde

Andere meinten freilich, das Gespenst stamme aus Franken und sei mit den Hohenzollern erst hier eingezogen. Es sei eine Gräfin von Orlamünde, die auf der Plassenburg saß und von leidenschaftlicher Liebe zu Albrecht dem Schönen, einem Burggrafen von Nürnberg aus dem Haus Hohenzollern, entbrannt gewesen. Sie war nämlich verwitwet und hatte zwei Kinder. Da wurde, heißt es, ihr eine Rede Albrechts des Schönen hinterbracht, dass er sie wohl heiraten würde, wenn nicht vier Augen wären. Die Gräfin glaubte, er meine damit ihre zwei Kinder und sieie ständen der neuen Ehe im Weg. "Da trug sie", wie die alten Chroniken sagen, "blind von ihrer Leidenschaft, einem Dienstmann, Hayder oder Hager genannt, auf und gewann ihn mit reichen Gaben dafür, dass er die beiden Kinder umbringen möchte." Der ging auch hin, die Tat zu vollführen. Da sollen die Kinder ihm geschmeichelt und ängstlich gebeten haben:  


"Lieber Hayder, laß mich leben,
Ich will Dir Orlamünden geben,
Auch Plassenburg, des neuen,
Es soll Dich nicht gereuen."


So sprach der Junge; die Tochter aber:


"Lieber Hayder, laß mich leben,
Ich will Dir alle meine Docken (Puppen) geben!"


Doch der Mörder wurde hierdurch nicht gerührt. Später, als er noch andere Bubenstücke ausgerichtet hatte und gefangen auf der Folter lag, bekannte er: Sosehr ihn der Mord des jungen Herrn reue, der in seinem Anerbieten doch schon gewusst habe, dass er Herrschaften auszuteilen gehabt, so gereue ihn noch hundertmal mehr, wenn er der unschuldigen Kinderworte des Mädchens gedenke.

Nach anderer Sage hat die Gräfin die Kinder selbst getötet. Der Burggraf hatte aber unter den vier Augen die seiner Eltern gemeint und heiratete hernach die Gräfin dennoch nicht. Diese soll später fürchterliche Buße getan haben und ihr Geist soll seit ihrem Tod umgehen, um so den Rest ihrer Schuld abzubüßen. Bis das geschehen, heißt es, erscheint sie den Hohenzollern.

Unterirdische Gänge

Wie in vielen anderen Städten, so soll es auch in Berlin unterirdische Gänge gegeben haben, zum Beispiel unter dem Pflaster des Molkenmarktes, im großen Jüdenhof an der Jüdenstraße und in der Burgstraße an der Ecke der Königsstraße, wo früher die "Alte Post" stand. Dort hatte der schlimme Kolb von Wartenberg, unter Kurfürst Friedrich III. der erste Mann im Staate, ein Haus gebaut und einen unterirdischen Gang bis zum Ufer der Spree angelegt. Man behauptet sogar, dieser Gang habe unter dem Bett der Spree bis zum Schloss geführt, und der spätere erste König von Preußen habe ihn oft benutzt, wenn er das Schloss ungesehen verlassen wollte.

Die eiserne Jungfrau

Die Kurfürsten von Brandenburg sind nie sehr schonend mit ihren Feinden umgegangen, wenn sie die Macht dazu hatten. Wer in ihre Hände fiel, hoffte vergebens auf eine gerechte Behandlung oder ein ehrliches Gericht. Für solche Fälle gab es im Berliner Schloss eine besondere Hinrichtungsmaschine. Sie war aus Eisen und hatte das Aussehen einer ‚Jungfrau'. Der Verurteilte wurde gezwungen, sie zu küssen. In dem Augenblick, in dem er sie berührte, löste er einen Mechanismus aus: die ‚Jungfrau' breitete die Arme aus, um den Unglücklichen zu umschlingen, und zahllose Messer bohrten sich in seinen Körper. Dann öffnete sich eine Falltür, und der zerfetzte Leichnam fiel durch einen Schacht in die Spree, deren Wasser ihn mit sich forttrugen

Das Unwetter und Kurfürst Joachim I

Am 15.Juli 1525 wurde Kurfürst Joachim von einem Astronomen feierlich gewarnt, dass an demselben Tag ein großes Unwetter kommen würde, und es wäre möglich, dass beide Städte Berlin und Kölln untergehen werden. Der Kurfürst ist also mit seiner Gemahlin, der jungen Herrschaft und vornehmsten Bedienten auf den Tempelhofer Berg gezogen, um die die Ereignisse abzuwarten. Als er sich aber lange da aufgehalten hatte und nichts geschah, bat ihn seine Gemahlin, die eine sehr gottesfürchtige und christliche Fürstin gewesen ist, wieder heimzuziehen und zusammen mit seinen armen Untertanen abzuwarten, was Gott tun wollte. Darüber dachte er nach, und um vier Uhr nachmittags fuhr er wieder nach Kölln. Ehe er aber an das Schloss kam, kam ein Unwetter auf, und als er unter das Schlosstor kam, wurden dem Kurfürsten vier Pferde vor dem Wagen samt dem Kutscher erschlagen, sonst entstand kein weiterer Schaden.

Das Bild des Kurfürsten von Sachsen in Berlin

Am 9. Januar 1553 erhob sich in Berlin ein starker Wind und warf das Bild des Kurfürsten Moritz von Sachsen, welches im Inneren des Schlosses hing, herunter.  Die anderen Bilder blieben unberührt.  Dies wurde von den Kabbalisten als Anzeichen für ein zukünftiges Unglück gesehen.  Tatsächlich wurde Herzog Moritz im Heumonat (Juli) des gleichen Jahres in der Schlacht bei Sievershausen bei dem Schlosse Pirna in Sachsen von einen Schuss getroffen und starb drei Tage später in seinem 33sten Jahre.

Der zerbrochene Ring

Als die Gemahlin des Kurfürsten Friedrich III auf ihrem Lustschloss, unweit Berlin, dem Sterben nahe war, da hat ihr der geliebte Fürst geloben sollen, nie eine andere Gattin zu nehmen, sondern unvermählt zu bleiben bis an sein Lebensende. Solches hat ihr der Kurfürst versprochen, dann ist sie fröhlich entschlafen. Als der Kurfürst sich wieder eine Gemahlin auserwählte, da ist der schöne goldene Ring, den er am Verlobungstag von seiner ehemaligen Frau empfangen hatte und auf dem zwei in einander geschlossene Hände zu sehen waren, plötzlich mitten auseinander gebrochen. Dieser Ring wurde noch lange im Schloss aufbewahrt.

Der starke Jochem

 

Zu Kurfürst Georgs Zeiten lebte in Berlin ein Edelmann, Joachim von Schapelow. Sie nannten ihn allerdings nur den starken Jochem wegen seiner ungeheuren Stärke. Niemand konnte ihn niederringen, obgleich er von Gestalt kein Riese war. Da kam einmal ein fremder Fürst an den Berliner Hof, der hatte in seinem Gefolge einen ungemein großen und auch sehr starken Mann, den auch keiner bezwingen konnte. Da wetteten die zwei Kurfürsten miteinander um vier Fässer Wein, wer von ihnen den stärkeren Mann hätte.

Die Kämpfer traten gegeneinander an und nach kurzem Kampf warf Schapelow seinen riesigen Gegner zu Boden, dass ihm die Rippen krachten. Und als dieser wieder aufstehen wollte, ergriff ihn der starke Jochem und wollte ihn zum Fenster hinauswerfen, was jedoch der Kurfürst verhinderte.

Um den starken Jochem für seine Anstrengung zu belohnen, schickte er ihn in den Weinkeller. Dort solle er soviel Wein nehmen, wie er tragen könne. Das war dem starken Jochem sehr willkommen. Er stieg hinab in den Keller, besah sich die Fässer und griff tüchtig zu. Der Kurfürst und sein Gast standen oben auf der Treppe, als Jochem hochkam. Er hatte eine volles Fass unter dem rechten und eines unter dem linken Arm. Und an den Fingern, die er in die Spundlöcher gesteckt hatte, trug er rechts eines  und links ebenfalls. Die Herren lachten über diese komische Erscheinung und bewunderten die gewaltige Kraft des Mannes. Der Kurfürst rief hinunter: „Bist du des Teufels, Schapelow? Wenn du meinen Wettgewinn wegträgst, was trägt’s denn mir?“ – „Ach Durchlaucht,“ rief Joachim von Schapelow hinauf, „es trägt’s nicht aus!“

Vorzeichen des Todes der Könige von Preußen Friedrich I. und Friedrich Wilhelm I.

Als König Friedrich I. im Sterben lag, hat sich am 27. Februar 1713, dem Tag vor seinem Tod zwischen 8-9 Uhr Abends in dem sogenannten Juwelen-Kabinett, gegenüber vom  Sterbezimmer gegenüber, ein herumwandelndes Licht gezeigt, als wenn etwas Verlorenes gesucht werde. Da das Zimmer ein Fenster zum Flur hin hatte, konnte man das Licht genau sehen, wie der damalige Kronprinz (der spätere König Friedrich Wilhelm I.), als auch der Oberhofmarschall des Prinzen, der Graf von Finkenstein, und der Leibarzt Gundelsheim bezeugten. Als man das  Zimmers öffnete und durchsuchte, konnte jedoch nicht die geringste Spur gefunden werden. Nachdem das Zimmer wieder zugesperrt worden war, erschien das Licht wiederum und verbreitete einen ungemeinen Schrecken unter allen Anwesenden.  Auf Anraten des Leibarztes sind alle weggegangen, und dieser hat als ein guter Kabbalist aus dem Phänomen prophezeit, dass die Stunden des Königs gezählt seien. Friedrich I. verstarb am anderen Tage Mittags.

Ebenso wurde vor dem Tode des Königs Friedrich Wilhelm I. berichtet, dass am 18. April 1740 bei Tag und Nacht in den zugeschlossenen Zimmern ein gewaltiger Tumult ertönte, besonders in der Rumpelkammer. Da man meinte, es wären Diebe, durchsuchte die Schildwache alle Räume, allein sie fanden nicht die geringste Spur. Als auch noch das Lieblingspferd des Königs tot im Stall lag, deutete dies auf ein böses Omen hin. Tatsächlich hatte der König gefühlt, dass er sterben werde. Er verabschiedete sich um 3 Uhr morgens von seinen Getreuen und verschied 12 Stunden später in seinem Bett.

Der Hase im Schlosskeller

In den Kellergängen des Königlichen Schlosses zu Berlin soll sich  oftmals ein dreibeiniger Hase mit feurigen Augen gezeigt haben. Besonders gerne hielt er sich in der Nähe des Weinkellers auf. Hier stand, als die alte Bürgergarde noch bestand, eines Nachts ein Gardist auf der Wacht, und hörte eben, dass die Uhr im Dom zwölfe schlug; da vernahm er ein gewaltiges Rasseln und sah auch gleich darauf den Hasen mit den feurigen Augen dahergesprungen kommen. Der nahm aus einem großen Bund Schlüssel einen hervor und schloss die Kellertür auf. In demselben Augenblick hatte sich der Gardist vom ersten Schrecken erholt und wollte mit seinem Säbel nach ihm hauen, aber da flog auch die Tür schon wieder zu und der Hase ist nicht wieder zum Vorschein gekommen.

Die fünf weißen Ratten im Schloss Monbijou

Im Monbijoupark stand einst ein prächtiges Schloss. Dort spukte es in der Johannisnacht. Fünf weiße Ratten huschten dann über die Treppen und durch die Zimmer. Ein Feuerschein folgte ihnen und Wehklagen ertönte, wo sie weilten. Kein Riegel hielt sie auf und keine Wand konnte sie halten. Die Feuerlöcher der Ofen öffneten sich, wenn die seltsamen Tiere kamen. Fünfzehnmal mussten sie in jedes Feuerloch hinein und fünfzehnmal wieder hinaus. 

Durch die Gänge wankte eine junge Frau und weinte. Um Mitternacht sang sie zuweilen ein schauriges Lied:

"Wole, wole, Kindelein mein, starr ist der Stein, war Fleisch und Bein. So jung gestorben, durch mich verdorben. Wole, wole, Kindlein, tanzt!"

Wer mochte die Verdammte sein?

Fünf kleine Mädchen waren die Ratten einst, und die weinende Frau war die Gärtnerin, die Mutter der Kinder. 

In der Johannisnacht war sie mit ihrem Liebsten zum Tanz gegangen, während die Kinder schliefen.  In der Nacht aber kam ein Gewitter auf und weckte die Kleinen. Sie tasteten sich durch das dunkle Schloss, während sie die Mutter suchten und krochen schließlich voller Angst in die Feuerlöcher der Kamine. Da kehrte die Mutter heim und suchte ihre Kinder im ganzen Schloss. Als sie diese schließlich in den Löchern sitzen sah, da lachte sie über ihre Furcht und sprach: "Wie Ratten sitzen sie da im Feuerloch." 

Aber ein eisiger Schrecken durchfuhr sie, als plötzlich fünf Ratten vor ihr herhuschten, weiß wie die Mädchen in ihren Hemdchen gewesen waren. In den Garten huschten die Tiere und die Gärtnerin hinterher. Ein greller Blitzstrahl zuckte auf, und sie wurde zu Stein. Die Ratten gruben sich darunter in die Tiefe hinab.

Die schwarze Frau im Charlottenburger Schloss

Zur Zeit, als Friedrich Wilhelm III. preußischer König war, siedelte der Hof mitunter von Berlin nach Charlottenburg um. Als sich gerade mal wieder eine kleine Gesellschaft im Teehäuschen vergnügte, trat plötzlich eine schwarz gekleidete Frau ein. Sie verlangte den König zu sprechen. Da der König nicht anwesend war, wandte sich der Kronprinz ihr zu. Sie lehnte jedoch ein Gespräch mit ihm ab und wollte nur dringend mit dem König sprechen. Alles war entsetzt über diesen Verstoß gegen die Etikette des Hofes. Plötzlich rief die Frau: "Der König kommt!" Und tatsächlich öffnete König Wilhelm III. die Tür. 

Niemand hatte ihn erwartet. Man benachrichtigte ihn sofort von dem Verlangen der schwarzen Frau. Er aber wurde ungeduldig: "Man soll ihr Geld geben und sie fortschicken", meinte er barsch. - Verletzt wandte sich die Frau dem Ausgang zu: "Ihr werdet es bereuen, dass Ihr nicht hören wolltet, was ich Euch zur Warnung zu sagen kam", antwortete sie leise. Dann trat sie durch die Wache hinaus und verschwand.

Kurze Zeit darauf trauerte der Monarch am Sarg der Königin Luise

 

Kontakt:    e-mail    Geschäftsbedingungen