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Sagen aus 

Reinickendorf-Tegel

Das Heiligtum am Heiligensee   

Die Schwanenkette 

Das versunkene Schloss im Heiligensee

Die Glocken im Heiligensee

Der Klapperstorch in Heiligensee 

Die verwunschene Edelfrau

Die Männekens im Tegeler See

Der Spuk in der Tegeler Mühle

Der Aufhocker bei der dicken Marie

Der Spuk in der Tegeler Försterei

Der Hexenplatz auf Scharfenberg

Die weiße Frau im Schifferberg

 

Das Heiligtum am Heiligensee 

 

In uralter Zeit an einem bestimmten Tag, den jedoch keiner mehr weiß, wurden auf dem Dorfanger des Dorfes Heiligensee zwei schwarze Stiere vor einen Wagen geschirrt und ein feierlicher Umzug gehalten. Die Stiere wurden unruhiger und wilder, bis sie aus dem Dorf hinausrasten und geradewegs hinein in den Heiligensee stürzten, aus dessen Tiefe sie nie mehr zum Vorschein kamen. Dieses Ritual wiederholte sich jedes Jahr. Später wurden am Ufer des Sees immer wieder silberne Münzen gefunden, wahrscheinlich  Geldopfer. 

Lange Zeit soll zwischen der Schmiede und der Kirche ein Heiligtum gestanden haben, von dem eine wundersame Heilkraft ausging. Von nah und fern kamen Kranke und wurden hier gesund.

Im Mittelalter wurde das Wasser des Sees  als heilkräftig verehrt. Bis in weite Ferne wurde das Wasser geholt. Alle hundert Jahre weihte der Priester des Ortes das Wasser mit einem silbernen Heiligenbild.

„... insgesamt aber verehren sie [die Germanen] Nerthus, das heißt die Mutter Erde, und glauben, die Göttin nehme teil am Treiben der Menschen, sie fahre bei den Stämmen umher. Es gibt auf einer Insel des Weltmeeres einen heiligen Hain, und dort steht ein geweihter Wagen, mit Tüchern bedeckt; einzig der Priester darf ihn berühren. Er bemerkt das Eintreffen der Göttin im Allerheiligsten; er geleitet sie in tiefer Ehrfurcht, wenn sie auf ihrem mit Kühen bespannten Wagen dahinfährt. Dann folgen frohe Tage; festlich geschmückt sind alle Orte, denen die Göttin die Huld ihrer Ankunft und Rast gewährt. Man zieht nicht in den Krieg, man greift nicht zu den Waffen; verschlossen ist alles Eisen. Dann kennt, dann liebt man nur Ruhe und Frieden, bis die Göttin, des Umgangs mit Menschen müde, vom gleichen Priester ihrem Heiligtum zurückgegeben wird. Dann werden Wagen und Tücher und, wenn man es glauben will, die Gottheit selbst in einem entlegenen See gewaschen. Sklaven sind hierbei behilflich, und alsbald verschlingt sie derselbe See. So herrscht denn ein geheimes Grauen und heiliges Dunkel, was das für ein Wesen sei, das nur Todgeweihte schauen dürfen.“

Vor der Besiedlung durch die Wenden und später durch die Deutschen, war die Gegend von den Germanen besiedelt. Auf Tacitus geht Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. die erste Beschreibung der germanischen Riten zurück. Nerthus war die Erdmutter und die Frau Njords.

 

Die Schwanenkette 

 

Ein Bauer in Heiligensee grub einst in seinem Garten am See.  Er wollte einen Platz für einen neuen Backofen ebnen. Da stieß er auf eine schwere eiserne Kette. Er zog und zog, aber sie wollte kein Ende nehmen. Plötzlich tauchte neben ihm ein schwarzer Schwan auf. Der Bauer erschrak, ließ die Kette fahren und in dem Moment waren Kette und Schwan verschwunden. Und soviel der Bauer auch grub, er fand sie nicht mehr.

 

 

Das versunkene Schloss im Heiligensee

 

In alter Zeit stand am Heiligen See ein prächtiges Schloss. Darin wohnte eine wunderschöne Prinzessin. Zu manchen Zeiten ging sie mit ihren Gespielinnen aus dem Schloss hinaus und tat den Leuten, die im Dorf wohnten, viel Gutes.

Einmal kam aber ein böser Zauberer an den See. Der verwünschte die Prinzessin. Als er seinen Fluch ausgesprochen hatte, erhob sich ein gewaltiger Sturm, und der wogende See verschlang das Schloss mit allen seinen Bewohnern.

 

Die Glocken im Heiligen See

 

Tief auf dem Grunde des Heiligen Sees liegen Glocken. Vor alter Zeit sind sie versunken. Zuweilen aber kommen sie zum Vorschein. Man sieht sie dann meistens mitten im See auf einer flachen Stelle liegen. Dort wärmen sie sich im Strahle der Mittagssonne. Einige Leute hörten sie auch schon sprechen. Es war gerade am Johannistag. Sie kamen aus dem See heraus, und die eine sagte zur anderen:

„Anne Susanne, wiste mett to Lanne?“

Darauf antwortete die andere: „Nimmermeh!“

Dann sanken sie, nachdem sie noch einmal angeschlagen hatten, wieder in die Tiefe.

 

Der Klapperstorch in Heiligensee

 

In der Gegend von Heiligensee gibt es viele Störche. Nun lebten dort einmal ein Bräutigam und eine Braut. Die Braut drängte ihren Liebsten immerfort, doch einmal einen Storch zu schießen. Der wollte es aber nicht tun. Endlich aber überredete ihn die Braut. Er nahm das Gewehr, schoss und traf einen Storch am Bein, so dass er lahmte.

Der Bräutigam war ein Schiffer. Als er bei der nächsten Fahrt weit von zuhause fort wart, kam er in eine Gegend, wo viele Erlen standen. Dort begegnete ihm eine Frau, die ihn um Hilfe bat. Nichts Böses ahnend ging er mit ihr. Auf dem Weg gerieten sie plötzlich unter Wasser. Doch das Wasser tat ihnen wunderbarerweise nichts. Ruhig schritten sie weiter und kamen schließlich an ein Haus. Ein hinkender Mann kam ihnen entgegen. Er fragte den Schiffer, ob er ihn  nicht kenne, er hätte doch vor nicht allzu langer Zeit nach einem Storch geschossen, das sei er gewesen. Nun wurde dem Bräutigam doch etwas ängstlich zumute. Aber die fremde Frau und der lahme Mann waren freundlich zu ihm und gaben ihm gut zu essen. Beim Abschied schenkte ihm der Mann eine Halskette. Die solle er seiner Braut mitnehmen. 

Als der Bräutigam nachhause kam und seine Erlebnisse erzählte, rieten ihm die Leute vorsichtig zu sein und  die Kette erst seinem Hund zur Probe anlegen. Als er das tat, zersprang sein Hund in tausend Stücke. Nun freute sich der Bräutigam sehr, dass er die Kette nicht seiner Braut umgelegt hatte und sie feierten Hochzeit und freuten sich ihres jungen Glücks.

 

Die verwunschene Edelfrau

 

Früher wohnte in Heiligensee eine Edelfrau, die in ihrem Leben viel Unrecht getan hatte. Oft hatte sie ihre Mägde und Knechte gequält und hart behandelt. Darum waren alle froh, als sie endlich starb.

Als die Frau schon längere Zeit tot und beerdigt war, sahen die Mägde sie eines Tages über den Hof gehen. Alles blieb stehen und sah der erscheinung nach. Die Frau kümmerte sich aber um Nichts, schritt weiter und verschwand im Stall. Lange Zeit wagte niemand nachzuschauen. Dann fassten sich einige Mägde ein Herz und gingen in den Stall. Ruhig fraßen die Schweine aus dem Trog, und – auch die Frau lag davor und fraß mit dem Vieh. Nach einer Weile erhob sie sich und ging ruhigen Schrittes an dem erschreckten Gesinde vorüber und verschwand.

Nun lebte im Dorf auch ein Schäfer. Der war tagsüber mit seinen Schafen auf der Weide. Wenn aber der Abend kam, trieb er sie in seine Hürde. Er selbst wickelte sich in seinen Mantel und schlief in einer kleinen Hütte, die auf der Weide stand. Einmal hörte er um Mitternacht ein mächtiges Getöse und wütendes Hundegebell. Er stand auf und trat vor die Tür. Da merkte er, dass die wilde Jagd vorüberbrauste.Er konnte sich aber nicht zurückhalten und fragte einen aus dem Gefolge, was das Getöse zu bedeuten habe. Der antwortete ihm:“ Das ist die gnädige Frau. Die hat viel Unrecht getan und wird nun mit den Hunden des wilden Jägers gehetzt.“

 

Die Männekens im Tegeler See

 

 

Im Tegeler See wohnten früher Wassergeister, die von den Fischern "Männekens" genannt wurden. Sie kamen aber so selten an die Oberfläche, dass nur wenige Menschen sie je gesehen haben. Eines Tages sollte die Tiefe des Sees ausgemessen werden. Der Messmeister war mit seinen Gehilfen gekommen und aufs Wasser hinausgefahren. Als er die Messleine hinabließ, da schäumte das Wasser auf. Der Messmeister hielt verwundert inne, als sich das Wasser teilte und die "Männekens" erschienen. Ihre Gesichter waren rot vor Zorn und wütend schrien sie:
"Wenn du unse Welt wist mäten, sollst du dine bald vergäten." (Wenn du unsre Welt willst messen, sollst du deine bald vergessen)

Kaum waren die Worte gesprochen, waren die Männchen auch schon wieder hinabgetaucht. Die Leute aber ließen von ihrem Vorhaben ab.

 

Der Spuk in der Tegeler Mühle

 

Der Müller von Tegel wollte seine Tochter an einen Müllergesellen verheiraten, und es kamen auch viele Anwärter. Der Müller nahm sie zunächst als Geselle auf Probe. Aber keiner von ihnen überlebt die erste Nacht in der Mühle. Auf rätselhafte Weise kamen alle ums Leben. Bald wagte sich keiner mehr, dort anzuklopfen. Eines Tages jedoch erschien ein hübscher, fremder Bursche und hielt um die Hand der Tochter an. Alle Warnungen des Müllers und seine Hinweise auf die rätselhaften Tode seiner Vorgänger konnten den jungen Mann nicht abhalten. Am Abend nahm dieser ein Beil und machte sich im Mahlraum ein Bett. Anstatt zu schlafen beobachtete er jedoch, mit dem Beil in der Hand, was um ihn herum geschah. Um Mitternacht schlüpfte eine graue Katze unter den Säcken hervor und begann den Mühlstein zu bewegen. Bald sprangen noch zwei weitere Katzen hinzu und zu dritt begannen sie den Mahlstein wie rasend zu drehen. Der Geselle nahm all seinen Mut zusammen und wollte die Tiere verjagen. Da fingen die  Katzen an zu wachsen und sie fauchten den Burschen grimmig an :"Au", schrie die erste, "Jau", die zweite und "Hau" die dritte. Auf dieses Zeichen fielen sie den Müllergesellen  an. Dieser aber ergriff sein Beil und hieb der größten Katze eine Vorderpfote ab.Jammernd stoben sie davon. Der junge Mann aber nahm die abgeschlagene Pfote. Im selben Augenblick verwandelte sich die Katzenpfote in eine Menschenhand mit einem roten Ring am Finger. Verwundert steckte er die Hand ein. Am anderen Morgen stand er munter vor dem Müller und seiner schönen Tochter. Als die ersten Kunden kamen und ihr Mehl abholten, erzählten sie, dass die alte Webern todkrank im Bett läge. Der Müllergeselle erklärte, er sei so klug wie ein Doktor und wolle die alte Webern sehen, vielleicht könne er sie heilen. Als er das Zimmer der Kranken betrat, bat er sie, ihre Hand ansehen zu dürfen. Schnell aber versteckte diese ihre Hände unter dem Betttuch. Da holte er die abgeschlagene Hand hervor und unter Heulen und Jammern gestand die Frau eine Hexe zu sein. Als sie dies ausgesprochen hatte, starb sie. Der Müllerbursche aber heiratete die Müllerstochter und nie wieder hat es in der Tegeler Mühle gespukt.

 

Im Volksglauben wohnte der Katze etwas Dämonisches inne, weshalb sie mit Scheu behandelt wurde. Schwarze Katzen, die über den Weg laufen, bedeuten nichts Gutes. Sie standen im Verdacht mit Hexen und Teufeln im Bündnis zu sein.

 

Der Aufhocker bei der dicken Marie

 

Wahrscheinlich ist die "Dicke Marie" der älteste Baum Berlins. Auf einem Schild kann man lesen: »Der älteste Baum Berlins, unsere Eiche die >Dicke Marie<, Alter: ca. 900 Jahre, Höhe: ca. 26 m, Durchmesser: 2,30 m, Umfang in Brusthöhe: 6,05 m«. Die knorrige Traubeneiche steht an der Großen Malche, der nördlichsten Bucht des Tegeler Sees, wenige Schritte entfernt vom Gartenrestaurant „Waldhütte“. Unweit davon steht das Humboldtschlösschen, in dem die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt aufwuchsen. Es heißt, der Baum sei einer der Spielplätze der beiden Kinder gewesen und habe den Namen der Köchin erhalten. Früher war es in der Nähe des Baumes nicht geheuer. Viele Menschen, die nachts dort vorbeikamen, spürten plötzlich eine Last auf ihrem Rücken. Es war, als sei einer aufgesprungen und ließe sich mittragen. Die erschreckten Menschen liefen schreiend davon. Hatte man sich ein Stück von der unheimlichen Eiche entfernt, verschwand der Druck plötzlich wieder. Der Aufhocker war abgesprungen und wieder zu seinem Schlupfwinkel im Baum zurückgekehrt. 

 

 

 
 

Spuk in der Tegeler Försterei

 

In der Tegeler Försterei soll sich folgendes zugetragen haben. Dort lebte ein hübsches Mädchen, das einen jungen Burschen liebte. Die Mutter des Mädchens, eine Witwe, war gegen diese Verbindung. Das Mädchen aber ließ nicht von ihrem Liebsten ab und deshalb gab es häufig Zank und Streit im der Försterei. Nach solchen Auftritten soll es immer gespukt haben. Ein weißes Gespenst schlich in der Nacht heulend und stöhnend durch das Haus und den Garten und im Schornstein polterte es ganz fürchterlich.

Nachbarn kamen in das Haus und wollten alles genau geschildert bekommen. Die merkwürdige Geschichte sprach sich schnell herum und es kamen schließlich auch Gelehrte, die sich um die Sache kümmerten. Sie hörten wohl die jämmerlichen Töne und das Gepolter, konnten die Ursache aber auch nicht herausfinden. Bald wurde es der Mutter zuviel, denn sie fand keine Ruhe mehr. Bei Tag kamen die Neugierigen und in der Nacht polterte

Da gab die Mutter endlich die Einwilligung zur Heirat und von dem Moment an hatte sie Ruhe vor dem Gespenst. Nun zerbrachen sich die Gelehrten erst recht den Kopf darüber, aber aufklären konnte die Geschichte keiner.

 

Geistersehen war um 1800, zur Zeit der Aufklärung, große Mode. Auch der bekannte Verleger, Buchhändler und Schriftsteller Christoph Friedrich Nicolai, wurde von Erscheinungen heimgesucht. Ganz genau schilderte er 1799 in seinem Traktat ‚Beispiel einer Erscheinung mehrerer Phantasmen',  wie ihn zwei Monate lang während einer Erkrankung Geister heimsuchten. In Bezug auf die Tegeler Poltergeister beschrieb er  seine eigenen Erscheinungen: Mehrfach erschienen die zwar blassen, aber farbigen Gestalten von Toten, die umherwandelten wie „auf dem Markte“.  Auch Personen zu Pferd, Hunde und Vögel traten im Totenreigen auf.  Nach etwa vier Wochen begannen sie auch noch zu reden. Sie verschwanden erst, nachdem er sich Blutegel an den After hatte setzen lassen.
Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte 1808  die Tragödie Faust I und ließ darin Nicolai als Proktophantasmist (Steißgeisterseher) durch die Walpurgisnacht irren und klagen:
"Das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel.
Wir sind so klug, und dennoch spukt's in Tegel!"

 

Der Hexenplatz auf Scharfenberg 

 

Scharfenberg ist eine 20 ha große Insel, auf der sich heute eine Schulfarm befindet. Einer alten Legende nach hielten jene Hexen, denen der Weg zum Brocken im Harz zu weit war, ihren Hexensabbat auf dem „Scharfen Berg“ ab.

 

Die weiße Frau im Schifferberg

 

Wenn man mit dem Schiff die Havel abwärts nach Spandau fährt, sieht man gleich hinter dem Dorf Heiligensee zur Linken einen Berg, dessen flacher Gipfel mit Kiefern bestanden ist. Sein weißer Sand leuchtet weithin zum Fluss, wenn die Sonne darauf scheint. Er bildet seit alter Zeit ein Merkzeichen für die Schiffer, und darum heißt er der Schifferberg.

In seinem Innern wohnt tief verborgen die weiße Frau. Nur einmal im jahr verlässt sie ihr geheimnisvolles Schloss. Am Johannistag hüllt sie sich in einen langen weißen Schleier und setzt sich eine strahlende Krone aufs haupt. Wenn die Glocken im Dorf zu Mittag läuten, öffnen sich die Tore des Schlosses, und die weiße Frau schreitet feierlich aus dem Berg. Ein feines Klingen und Singen zieht durch die Luft, und ihr weißer Schleier wallt weithin im Sonnenglanz. Doch nur selten haben Menschen die weiße Frau gesehen. 

 

 

 

 

 

 

 

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