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Die wilde Jagd

Die Unterirdischen in der Hasenheide

Der Stralauer Fischzug

 

Die wilde Jagd

 

Ohnehin von schrecklichem Aussehen, kommen sie der angeborenen Wildheit durch Kunst und Ausnutzung der Zeit zu Hilfe. Schwarz sind die Schilde, gefärbt die Leiber; dunkle Nächte wählen sie zum Kampf, und schon das Grauenvolle und Schattenhafte ihres Totenheeres jagt Schrecken ein: kein Feind hält dem ungewohnten und gleichsam höllischen Anblick stand. Denn in jeder Schlacht erliegen ja zuerst die Augen. Das Wiehern der Pferde galt als Vorzeichen für Kampf oder Glück. Die Rosse waren in den Totenkult mit eingebettet, indem sie Leichen zogen, Verbrecher zu Tode schleiften oder mit ihren Herren verbrannt und bestattet wurden. (Körnerpark).

In Sagen und Märchen besaßen Pferde die Gabe des Redens, wobei Ross und Reiter zu einer mystischen Einheit verschmolzen, z.B. der einäugige Gott Wotan (Odin) mit seinem achtfüßigen Hengst Sleipir.

Der germanische Totengott erschien als menschliche Hypostase eines Dämon in Pferdegestalt. Das Pferd, halb menschlich und halb göttlich war scheinbar ein Gehilfe wie Verbündeter des Todes.

Die wilde Jagd zeigt sich im Grunewald, in der Hasenheide, im Grunewald und in den Müggelbergen.

 

Die Unterirdischen in der Hasenheide

 

Zu einer Frau, die am Rande der Hasenheide wohnte, kamen eines Abends zwei kleine Männlein und baten um eine Schüssel, legten sie über zwei Stecken und trugen sie wie auf einer Trage davon. Am anderen Morgen fand sie die Schüssel mit einem Stück köstlichen Bratens wieder vor der Haustür.

So ging es eine ganze Woche hindurch. Bald brauchten die Kleinen eine Pfanne oder einen Topf, ein Messer oder einen Löffel. Und immer erhielt die Frau ein Gegengeschenk.

Da wurde sie endlich neugierig. Sie folgte heimlich den beiden Boten, die in einer Höhle verschwanden. Da sah sie einen schnurgeraden gepflasterten Gang, der zu einer unterirdischen erleuchteten halle führte, in der geschäftige Köche die Mahlzeit für das kleine Volk bereiteten.

Sie kehrte verwundert heim. Am anderen Ab end gab sie den Männlein allerlei Kräuter und Gewürze mit. Die Freude war unbeschreiblich. Und als Lohn fand sie fortan ein Goldstück vor ihrer Tür, so dass sie bald eine reiche Frau war und sorgenlos leben konnte.

Als die Menschen aber anfingen, die Hasenheide immer mehr zu bevölkern, da gaben die Unterirdischen ihren Wohnsitz in der Hasenheide auf und wurden nie wieder gesehen.

 

Der Stralauer Fischzug

 

Der Bartholomäustag (24. August) als gesetzlicher Festtag des Stralauer Fischzuges ist quellenkundlich nicht zu belegen, er läßt sich nur historisch ableiten. In allen Urkunden und Darstellungen vor 1574 ist dieser Tag in der Geschichte Stralaus ohne besondere Erwähnung und Bedeutung.
Mit dem Edikt der Fischereiordnungvom 23. Februar 1574 von Kurfürst Johann Georg (1571-1598) wird der 24. August ein markanter Tag: er ist als Beginn der Fischerei mit dem Grossgarn festgesetzt und beendet die seit Gründonnerstag bestimmte Schonzeit der Fische. Das Edikt der Fischereiordnung vom 3. März 1690 von Jurfürst Friedrich III. (1688), dann König Friedrich I., (1701-1713) bekräftigte die Schonzeit.
Stralau besitzt zwar seit 1564 eine Kirche, doch konnte die kleine Gemeinde mit 11 Fischerhöfen denLebensunterhalt für einen eigenen Pfarrer nicht aufbringen. Der Pfarrer kam aus Berlin (Ausnahme: 1639 bis 1668 aus Friedrichsfelde); bis 1750 gab es nur 14tägig Gottesdienst, danach fanden sie jeden Sonntag statt.
Die Besoldung des Pfarrers für seine Dienste in Stralau erfolgte nicht aus den Einkünften (Ackerzehnt, Opfer-kasten, Klingelbeutel, Pacht- und Strafgebühren) der Stralauer Kirche, sondern wurde durch Zahlungen und Dienste beglichen, die sich über Jahre veränderten. Nach der 1574 begonnenen Kirchenmatrikel von Stralau gehörte u.a. die Besoldung des Pfarrers der Ertrag von vier Fischzügen mit dem Grossgarn, der am 13. Oktober fällig war.
Vielleicht wollten die Stralauer Fischer zuerst ihre Pflicht gegenüber dem Pfarrer los sein, bevor sie zum eigenen Erwerb zu fischen begannen. Die vier Garnzüge fürden Pfarrer wurden auf den Beginn der Fischereisaison am 24. August verlegt und der fünfte Garnzug für die Fischerknechte ebenfalls. Für ihre schwere Arbeit erhielten die Fischer eine halbe Tonne Bier und ein einfaches Essen vom Pfarrer und dem Berliner Rat (ihrem Gutsherren) gespendet. Diese Spende wurde bei dem Fischer verzehrt, der das jährlich wechselnde Krugrecht inne hatte, beim Krüger. Das war guter Anlaß, bei Musik und Tanz einen ganz besonderen Tag im sonst recht ereignislosen Alltag zu begehen.
Nach den Quellen ist nicht zu belegen, daß die Stralauer Kirche dem heiligen Bartholomäus, einem Schutzpatron der Fischer, geweiht war, aber es ist wahrscheinlich, den das Kirchweihfest wurde am 24. August begangen. Da nach der Reformation in Brandenburg 1539 die beliebten Kirchweihfeste verboten waren, bot sich mit der Fischereiordnung von 1574 der 24. August förmlich an, ein beliebtes Fest unter neuem Vorzeichen wiederaufleben zu lassen und es entwickelte sich allmählich der Stralauer Fischzug als Dorffest.
Die ewig armen Fischer in Stralau waren im 18. Jahrhundert zunehmend bei reichern Berliner Bürgern und Adligen verschuldet. Dem Zeitgeist folgend, nutzen diese Reichen die Hypothekenlasten, um sich in Stralau Sommerhäuser zu bauen und waren offensichtlich von dem Dorffest angetan. Da besonders der Adel nach Abwechslung trachtete, kündiget 1780 Prinz August Ferdinand von Preußen (1739-1813) in einem Schreiben an den Berliner Rat seinen Besuch beim Stralauer Fischzug an und letzterer bemühte sich um einen angemessenen Rahmen, indem er u.a. die Dorfstraße reinigen leiß. Dieser Brief ist der erste schriftliche Nachweis des Stralauer Fischzuges. Selbst im Protocollbuch von Stralau 1674 - 1810, in dem die Strafbescheide, Kirchenbuchabrechnungen, Testamente und Hypotheken festgehalten sind, wird der Stralauer Fischzug nicht erwähnt, etwa als Tatzeitpunkt einer Rauferei, eines Diebstahls o.ä.

Bartholomäustag.

In Stralow bei Berlin feiert man an diesem Tage das bekannte Fischzugsfest; die Fischer der Gemeinde ziehen früh Morgens mit Musik hinaus und thun fünf Züge mit dem großen Garne, deren Ertrag hauptsächlich für den Prediger des Dorfes bestimmt ist. Nachher gehts zum Dorfe zurück, wo sich bald die gedrängten Massen der Städter einfinden und den Tag in Jubel, dem auch Puppenspiel und andre Belustigungen, so wie ein Markt mit Glücksbuden und dergleichen nicht fehlen, hinbringen. - Ehmals bekam der Prediger auch alljährlich einen Stiefel, angeblich, damit er den zwischen Kirche und Dorf gelegenen Graben durchschreiten könne; doch ist diese Leistung jetzt in eine Geldzahlung von jährlich 11/2 Thaler verwandelt. - Dabei mag erwähnt werden, daß der Prediger in Käthen in der Altmark ebenfalls alljährlich einen Schuh erhält.