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Kriminalfälle

 

Der Todeswürfel

Ein Schreiber wird eines Scherzes wegen geköpft

Das Galgenhaus

Die drei Blutstropfen

Der Schelmeneid

Der Henkersknoten

Der Ring im Fisch

Tetzel in Berlin

Der Zauberer Lippold

Zur letzten Instanz

 

Der Todeswürfel

 

Zwei junge Männer stritten um ein Mädchen, in das sich beide verliebt hatten. Das Mädchen wollte sich in der Johannisnacht entscheiden und erwartete beide Männer. Als sie sich für den stilleren Markmann entschied und dem prahlerischen Uhle einen Korb gab, blitzte ein Schwert auf und Maria lag erschlagen da. Der Vater barg sein totes Kind und klagte beim Kurfürsten, denn beide Männer leugneten die Tat.

Der Große Kurfürst befahl einen Ring Soldaten im Hof zu bilden und legte auf eine Trommel zwei Würfel. "Nun werft um euer Leben." Uhle nahm auf und würfelte zwölf.

Ein Atemholen ging durch die Menge.

Hartmann aber betete und sprach laut: ."Die Liebe glaubet alles, die Liebe hoffet alles, die Liebe duldet alles."

Dann warf er die Würfel. Die Trommel erdröhnte, ein Würfel zersprang. Und der Richter las: "Sechs Augen, sechs Augen und eins!" Er rief dem erstarrten Markmann ins Ohr: "Die Dreizehn sagt Recht und macht dich frei!"

Ein Jubel ging durch die Menge. Der Große Kurfürst aber sprach zum Richter: "Die Würfel bewahrt in der Kunstkammer auf, Gott ist gerecht."

 

Ein Schreiber wird wegen eines Scherzes zu Berlin geköpft.

 

Im Jahre 1364 haben die Bürger zum Berlin des Erzbischoffs von Magdeburg Theodorici Schreiber, so damals den Hertzogen von Sachsen war nachgezogen und zum Berlin an gedachtes Fürsten Tisch gesessen, durch die Stadtdiener, denen sonst auch ein ander großer Hauff zugeordnet worden, gegriffen, also bald auff den Marckt geführet und ihm den Kopf abschlagen lassen. Die Vrsach soll diese gewesen sein, daß er für wenig tagen, als er hatte wollen inß bad gehen, mit einer erbarn Frawen, so ihm wol bekand gewesen, sprach gehalten vnd sie in schertzweise genöthiget hatte, daß sie mit ihm zum bade gehen solte. Ich meine ja (spricht Krantzius lib. IX. Saxoniae c. 35) das sey eine schöne vrsach gewesen, einem das leben darumb zu nehmen. Doch haben sie solchen muthwillen mit leiblichen und geistlichen straffen genugsam müssen büßen.

Quelle: Grässe, Johann Georg Theodor, Sagenbuch des Preußischen Staates, Glogau, 1868/71, S. 116.

 

Das Galgenhaus

 

Das Haus No. 10 der Brüderstraße in Berlin führt den Namen das Galgenhaus; es befand sich an demselben ein Loch, das mit einem eisernen Gitter versehen war und als Kellerloch benutzt wurde; dieses hat dem Hause den Namen gegeben.

 

Friedrich Wilhelm I. hatte den harten Befehl ausgegeben: "Wer eines Diebstahls überführt werde, solle alsbald vor demselben Haus an einem Galgen aufgehängt werden." Im Hause des Ministers von Happe wurde ein silberner Löffel vermisst. Ein junges Dienstmädchen, zu dessen Pflichten es gehörte, den Tisch zu decken und Besteck und Geschirr abzuwaschen, kam in den Verdacht, ihn gestohlen zu haben. Da niemand sonst mit dem Besteck zu tun gehabt hatte, und der Löffel, auf den der Minister großen Wert legte, sich nicht wieder anfand, wurde das Mädchen des Diebstahls beschuldigt und zum Tode durch Erhängen verurteilt. . Obwohl das arme Mädchen seine Unschuld beschwor, wurde es gehängt.
Kurze Zeit nach der Urteilsvollstreckung fand man den Löffel im Stall. Eine Elster mochte ihn dorthin verschleppt haben. Von diesem Tage an umlagerte eine Schar von Nachbarn und Neugierigen das Haus. Man hatte bemerkt, dass das Loch, in das der Galgenpfahl eingerammt worden war, sich nicht zuschütten ließ. Der Minister befahl, die Stelle zu pflastern, aber jeden Morgen klaffte das Loch von neuem. Das Haus kam so sehr in Verruf – man nannte es nur noch das ‚Galgenhaus' -, dass es dem Minister dort nicht mehr gefiel. Er verkaufte es und zog woanders hin.

 

Die drei Blutstropfen  

 

In der Lindenstraße wohnte einst ein reicher Brauer. Der begehrte seine schöne Schenkin zur Ehefrau.

 Aber als er damit Ernst machen wollte, ging's ihm wie den andern, das Mädchen lachte ihn aus und wies ihn ab. Da schlich er sich zu nächtlicher Zeit in des Mädchens Kammer, wollte sie durch gleißendes Gold betören und gebrauchte schließlich Gewalt, um den Widerstand zu brechen. Die aber entfloh vor ihm und sprang in ihrer Angst zum Fenster hinaus auf den Hof. Als der Brauer ihr nacheilte, war sie verschwunden, aber die Stelle, wo sie herabgesprungen, war durch drei Blutstropfen gekennzeichnet. Hass und Rache füllten nun das Herz des Brauers. Er schlug Lärm, behauptete, er sei von seiner Schenkin bestohlen worden und wies auf die Goldstücke hin, die in ihrer Kammer gefunden wurden, die er selbst aber dort zurückgelassen hatte. Das Mädchen wurde erwischt und nach kurzem Prozess zum Tod verurteilt. Als man sie noch einmal nach dem Hof ihres früheren Brotherrn führte, rief sie aus: »Diese drei Blutstropfen werden für mich zeugen, wenn ich unschuldig sterben muss.« Und so geschah es auch. Die Blutflecken blieben sichtbar, so sehr sich auch der Brauer, von Gewissenspein gequält, bemühte, sie fortzuschaffen. In der Nacht erhob er sich von seinem Lager und wusch und scheuerte auf dem Hof herum, bis ihm Arme und Beine schmerzten und er sich kaum halten konnte von Ermattung. Aber auch in nächtlicher Stunde leuchteten ihm die drei Blutstropfen wie flammende Wahrzeichen entgegen, also dass er keine Ruhe mehr finden konnte bei Tag und Nacht. Da entschloss er sich, den ganzen Hof neu pflastern zu lassen. Die Steine mit den Blutstropfen hob er selber heraus, nahm sie in den Keller und zerschlug sie mit einem großen Hammer. Nun hoffte er Ruhe zu haben sein Leben lang. Als er aber am andern Morgen erwachte, sah er auf der Straße viele Gaffer vor seinem Haus stehen, hörte auch laute Verwünschungen gegen sich aussprechen. Er eilte auf die Straße und gewahrte zu seinem Schreck die drei Blutstropfen an der weißgestrichenen Wand des Hauses. Da packte ihn die Verzweiflung und in der Nacht stieg er zum Fenster hinaus auf ein Gesims und versuchte, mit den Nägeln die Blutflecken abzukratzen. Als es ihm aber nicht gelang, hob er verzweifelnd die Hände zum Himmel, verlor den Halt und stürzte auf die Straße. Dort fand man ihn am andern Morgen tot, mit zerschmetterten Gliedern. Die drei Blutstropfenaber verschwanden erst mit dem Abbruch des Hauses

 

Der Schelmeneid  

 

Am alten Berliner Rathaus war zur Königstraße hin eine vermauerte Tür, von der ehemals eine Holztreppe hinabführte. Denn das Ereignis, auf diesen Stufen sollte dem Gedächtnis nicht verloren gehen und die Leute jederzeit mahnen, keinen Meineid zu leisten.


Ein stadtbekannter Berliner Wucherer hatte sich von einem Freund fünfzig Dukaten geliehen, da er in vorübergehender Bedrängnis sei, wie er diesem sagte. Der Freund gab ihm die Summe bedenkenlos, denn er wusste, wie gut der Vermögensstand des Entliehenes war. Als aber Wochen um Wochen vergingen, ohne dass der Wucherer Anstalten traf, ihm die Dukaten zurückzubringen, stellte er ihn zur Rede und forderte sein Geld. Der Schuldner tat nun sehr erstaunt und meinte, was er denn wolle, er habe doch längst das Geld von ihm zurückerhalten. Und bei dieser Behauptung blieb er.
Der Gläubiger war empört und verklagte den Wucherer beim Rat. Die Gerichtsverhandlung fand statt, und da der Kläger keine Schuldverschreibung in Händen hatte, stand Aussage gegen Aussage. Der Richter ließ den Beklagten einen Eid schwören, dass er die besagte Summe dem Kläger zurückgegeben habe, was dieser auch tat. Ehe er aber die Hand zum Schwur hob, bat er den Kläger, der neben ihm stand, er möge doch so lange seinen Hut und seinen Stock, ein schweres Bambusrohr mit Silberknauf, halten. Der tat das, und der Wucherer leistete den verlangten Eid. Daraufhin wurde die Klage abgewiesen. Wie die beiden nach der Verhandlung die Treppe hinuntergingen, konnte der Kläger seinen Grimm nicht mehr zurückhalten und schlug auf den Wucherer ein. Der schlug zurück und wehrte sich mit dem Stock, der dabei zerbrach. Zum Erstaunen aller Umstehenden kullerten fünfzig Dukaten heraus und die Treppenstufen hinunter. Es war klar, der Schuldner hatte einen Schlemmend geleistet und die Dukaten dem Gläubiger buchstäblich in die Hand gedrückt. Trotzdem wurde sein Verhalten als Meineid gewertet, und eigentlich hätte er gehängt werden müssen. Aber man war sich wohl der Rechtslage nicht ganz sicher, und so wurde er verurteilt, zeitlebens eine seidene Henkersschnur um den Hals zu tragen. Der Scharfrichter von Berlin hatte die Aufgabe, sich einmal im Jahr davon zu überzeugen, dass er diese Schnur auch wirklich trug, und der Wucherer musste ihn noch dafür bezahlen. Kein ehrlicher Bürger wollte mehr durch die Tür hindurchschreiten, durch die der Meineidige gegangen war. Sie musste zugemauert werden.

 

 

Teil vom Heilig-Geist-Spital 2006

 

Armenhof zum heiligen Geiste (1272)

(Spandauer Straße 1-3, Mitte)

Im "Sehen-" (Siechen-) oder "Armenhof" am Spandauer Tor pflegten die freiwillig in Armut lebenden Beginen bedürftige Bürger, wie z. B. Waisen, Alte und Kranke; für den Unterhalt war der Stadtrat zuständig. Westwärts schließt sich ein Friedhof an, auf dem bei Ausgrabungen die Überreste von über 300 Individuen freigelegt wurden, die nach christlicher Sitte in West-Ost-Richtung bestattet worden waren.

Erstmals wird der Armenhof 1272 in einem Gildenbrief an die Bäcker erwähnt, in dem es heißt, dass sie alles schlechte Brot kostenlos den beiden Armenhäusern überlassen müssen, sofern sie bei dessen Verkauf erwischt werden. Das andere Armenhaus ist das Georgenhospital außerhalb der Stadtmauer. Heute existiert nur noch der rote Backsteinbau der Heiligen-Geist-Kapelle, sowie verschiedene Fundamente späterer Jahrhunderte

An der Ecke Rathausstraße/Spandauer Straße stand die Gerichtslaube, durch deren offene Gotische Halle im Erdgeschoß, in der Recht gesprochen wurde, die Bürger dem Gericht beiwohnen konnten. Ihre Grundfläche mißt 9,70 m im Quadrat, die von vier Kreuzgewölben überspannt wird - alle ruhen in der Mitte auf einem Pfeiler mit Sandsteinkapitell und umlaufenden Relief. Letzteres zeigt sinnbildlich die menschlichen Torheiten: z. B. verkörpern Frauen den Hochmut, der Affe steht für die Sinneslust, zwei Schweine für die Genußsucht. Die Darstellungen werden am Kopfende von einem Seil begleitet, mit dem die Absperrung gemeint ist, die im Mittelalter die Gerichtsstätte umgrenzt. An einem ihrer Außenpfeiler stand eine vogelartige Steinskulptur, der sogenannte "Kaak", unter dem die Verurteilten öffentlich am Pranger standen.

Direkt über der Gerichtslaube befand sich die Ratsstube, in der die Ratsversammlungen abgehalten wurden. Sie wurde von einem Sterngewölbe überdacht, das ebenfalls auf einem Mittelpfeiler stand - ihr heutiges Aussehen erhielt die Ratsstube aber erst 1555 bei Umbauarbeiten.
Entlang der Rathausstraße schloß sich ein Gebäude an, in dessen Untergeschoß sich Keller und Lagerräume befanden. Im Erdgeschoß waren Trinkstube sowie Verkaufs- und Niederlageräume untergebracht. Das Obergeschoß bestand aus Tanz- und Festsaal für den Rat und die Bürgerschaft - hier konnten Hochzeiten und Gastmahle im großen Stil gefeiert werden.

Das Rathaus oder zumindest Teile von ihm brennen 1380, 1484 und 1581 ab. Kaiser Wilhelm I. läßt die architektonisch wichtigsten Teile der Gerichtslaube 1871 in den Schloßpark Babelsberg, auf die Lennehöhe, umsetzen, um an dessen Stelle das Rote Rathaus zu erbauen. Sie ist auch heute noch dort zu besichtigen.

 

Der Henkersknoten

 

Das Stubenmädchen lauschte an der Tür. Immer wenn der Sohn ihrer Herrin zu Besuch war, gab es Streit ums Geld. Am nächsten Morgen fand man die Witwe erdrosselt.

Die Aussage des Mädchens lenkte den Verdacht sofort auf den missratenen Sohn. Er wurde aufgegriffen und den Folterknechten übergeben. Endlich gestand er die Tat. So wurde er verurteilt, mit demselben Strick gehängt zu werden, mit dem er seine Mutter erwürgt hatte.

Als der junge Mann unter dem Galgen stand, prüfte der Henker noch einmal den Strick und rief: "Der Mensch ist unschuldig. Solch einen Knoten wie diesen hier vermag nur ein Scharfrichter zu knüpfen."

Überrascht unterbrach man die Hinrichtung. Der Henker sah seine Gehilfen der Reihe nach an und da einer erbleichte, griff er ihn heraus. Der Mann versuchte nicht zu leugnen. Er gestand, dass die Magd der reichen Frau seine Geliebte sei, die ihn zu der Tat angestiftet hätte.

So wurden nun zwei statt des Unschuldigen gehängt.

 

Der Ring im Fisch
Eine Köchin kaufte einmal an der Fischerbrücke einen Hecht, und wie sie ihm zu Hause die Eingeweide entfernte, spürte sie etwas hartes im Magen des Fisches und fand einen kostbaren Siegelring. Sie lief mit dem Fund zu ihrer Herrschaft, und diese erkannte den Ring. Er gehörte einem Kaufmann, der von einer Reise nach Frankfurt/Oder nicht zurückgekommen war. Pferd und Wagen hatte man herrenlos in einem Wald bei Erkner entdeckt, aber von dem Kaufmann war keine Spur zu finden gewesen. Nun wusste die Köchin ganz genau, von wem sie den Fisch gekauft hatte. Es war ein Fischer vom Störitzsee, der seinen Fang regelmäßig nach Berlin brachte. Man durchsuchte den ‚Waldkrug', ein Gasthaus am See, und fand im Fremdenzimmer eine ausgeklügelte Menschenfalle. Eine Klappe im Fußboden führte zu einem unterirdischen Wasserarm, der in den See mündete. Der Wirt gestand, dass er so manchen Gast heimlich ‚um die Ecke gebracht' habe und erhielt die verdiente Todesstrafe. Der ‚Waldkrug' zerfiel, denn niemand wollte mehr darin wohnen, und zur Warnung an alle mörderischen Wirte brachte man einen Fisch am Rathaus an.

Tetzel in Berlin
Der Dominikanermönch Johann Tetzel hielt sich mehrere Monate in Berlin auf. Als der Verkauf von Ablasszetteln nachzulassen begann, rüstete er sich, weiterzuziehen. An einem der letzten Tage trat ein gut gekleideter Junker an seinen Stand und verlangte Ablass für eine Sünde – er zögerte ein wenig -, für eine Sünde, die er erst begehen wolle. Nun hätte Tetzel dem jungen Mann eigentlich ins Gewissen reden und ihn ermahnen müssen, von der Sünde zu lassen. Aber er dachte nur an das Geld und meinte, er habe Absolution für jederlei Vergehen, auch für solche, die noch nicht geschehen seien.
Selbstverständlich sei für diese der Ablass viel teurer. Die beiden feilschten ein Weilchen, und schließlich kaufte der Junker für den geforderten Preis einen Ablassbrief für Straßenraub. Einige Tage später war Tetzel mit deinen Begleitern auf dem Wege nach Jüterbog. Wie sie gerade eine öde Heide überquerten, sah der Kutscher in der Ferne eine Reiterschar auf sie zukommen. Als diese nahe genug war, konnte man erkennen, dass die Reiter ihre Gesichter verhüllt hatten. Das bedeutete sicher nichts gutes. Der Kutscher ließ seine Pferde im Stich, und Tetzels Gehilfen schlugen sich seitlich in die Büsche. Nur Tetzel blieb auf der Truhe sitzen, in der er das viele Geld aufbewahrte, und erwartete die Strauchdiebe. Er fing an zu zetern und zu schreien, sie dürften ihn nicht berauben, er sei ein Geweihter des Herrn, und das Geld, das er mit sich führe, gehöre dem Oberhaupt der Christenheit, dem Allerheiligsten Vater in Rom. Wer sich daran vergreife, der begehe eine Sünde, die nie und nimmer vergeben werde. Auf ewig müsse der, der ihn bestehle, in der Hölle schmoren.
Doch all sein schreien half ihm nichts. Völlig ungerührt zogen ihn die Reitersknechte von der Truhe und stießen ihn vom Wagen. Der Anführer zog sein Tuch vom Gesicht und sagte: "Da irrst du dich aber gewaltig, ehrwürdiger Bruder! Du selbst hast mir vor einigen Tagen den Ablass für diese Sünde verkauft!"

Der Zauberer Lippold

Unter der Regierung Joachims II. 1535-71, spielte in Berlin ein Jude, Namens Lippold, eine sehr wichtige Rolle; er stand in hoher Gnade bei seinem Herrn, war sein Kammerdiener, Leibarzt, Münzmeister und Rathgeber, so daß er überall seine Hände im Spiet hatte. Da begab es sich, daß der Churfürst zu Köpenick, wo er zur Wolfsjagd gewesen, am 3. Januar des Jahres 1571 in der Nacht plötzlich starb, nachdem ihm Lippold zum Schlaftrunk ein Glas Malage gereicht hatte. Nun führte zwar der Rath Maienburg in seiner Leichenrede an, daß der Churfürst wahrscheinlich an einem Stickfluß gestorben und dieser aus einem offenen Schaden entstanden wäre, den er am linken Beine gehabt und der von einer vormals übel curirten Rose zurückgeblieben sey, allein die allgemeine Volkstimme behauptete, jener habe den Churfürsten vergiftet. Nun hatte aber einer der Wächter, die ihm ins Haus gesetzt waren, um ihn zu bewachen, während eine Untersuchung wegen von ihm getriebenen Unterschleifs gegen ihn im Gange war, gehört, wie seine eigene Frau in einem Streite mit ihm gesagt hatte: "wenn der Churfürst wüßte, was Du für ein böser Schelm bist, und was Du für Bubenstücke mit Deinem Zauberbuche kannst, so würdest Du schon längst kalt seyn"; diese Worte wurden dem Churfürsten hinterbracht und es ward nun sofort eine Untersuchung gegen ihn wegen getriebener Zauberei und wegen Vergiftung des verstorbenen Churfürsten angestellt. Wegen des gedachten Verbrechens ward Lippold ohne Weiteres auf die Folter gebracht und derselbe gestand unter den unmenschlichsten Martern Alles, was man von ihm wissen wollte. Das bewußte Zauberbuch ward ihm abgefordert und von einem dazu vereideten Juden ins Deutsche übersetzt, da es in hebräischer Sprache abgefaßt war. In demselben standen gar wunderliche Dinge, z.B. wie man ein, zwei und mehr Teufel in ein Glas bannen und es oben versiegeln könne, daß sie darin bleiben und im Nothfall auf alle Fragen antworten mußten. Eine andere Art Teufel ließ sich mit vier Haselstöcken und Haaren von einem gefangenen Diebe bannen. Nach der bei den Acten jenes Prozesses befindlichen Urgicht sollte er zu seinen Zaubereien allerlei Dinge gebraucht haben, z.B. einen Zahn von einem schwarzen Hunde, Menschenknochen, eine gekaufte Schwalbe, zerbrochene Nähnadeln in einem Federkiel eingeschlossen, neun Faden Zwirn in einer Nähnadel, einem Hahn durch die Zunge gezogen, zauberische Charactere auf Pergament geschrieben und dergl. Um den verstorbenen Churfürsten zu bezaubern und seine Gunst zu gewinnen, hatte er etwas von dessen Haa ren, Rock und Hosen genommen und solches vor dem kleinen Wendelstein unter der Schwelle zu Grimnitz eingegraben u.s.w. Später bekannte er auf der öfters mit ihm vorgenommenen Tortur noch, daß er den Churfürsten durch einen Trunk vergiftet und durch Zauberei eingenommen habe. Er wurde auf dieses Bekenntniß hin Mittwochs vor Fastnacht 1573 am Gerichtstage vor gehegter Bank vorgeführt, um sein Bekenntniß öffentlich abzulegen und sein Urtheil mit dem Zauberbuche am Halse gebunden anzuhören, wie er aber hier Alles wieder leugnete, so peinigte ihn der Scharfrichter auf dem Berliner Rathhause zu guter Letzt, bis ihm das Blut zum Halse herauslief, daraus bekannte er Alles, was der Richter wollte, und wiederholte seine vorigen Aussagen. Er wurde hierauf an verschiedenen Orten zehnmal mit glühenden Zangen gezwickt und auf dem Neuen Markte zu Berlin auf einem dazu erbauten Gerüste an Armen und Beinen mit vier Stößen gerädert, nachmals in vier Stücke zerhauen und das Eingeweide mit dem Zauberbuche verbrannt. Wie sogleich eine große Maus unter dem Gerüst hervorkam, die nicht mit verbrennen wollte, so haben solche viel fromme Leute für den Zauberteufel gehalten. Die Stücken des verurtheilten Lippold's wurden an vier besondern Galgen an den Landstraßen aufgehängt und der Kopf auf das Georgenthor gesteckt. Von seinem Vermögen bezahlte man die Gerichtskosten und seine Schulden, das übrige, was etwa noch 1000 Thaler betrug, erhielt seine Wittwe, die aber mit ihren neun unerzogenen Kindern aus dem Lande geschafft wurde.

Quelle: Grässe, Johann

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