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Sagen von Steglitz-Zehlendorf

Hans Kohlhase
     Hans Kohlhase sucht sein Recht vergebens
     Rache an Sachsen
     Martin Luther diskutiert mit Hans Kohlhase
    
Das Gold unter der Brücke
     Das böse Ende
     Der historische Luther-Brief

Johann Kunckel, der Alchimist auf der Pfaueninsel

 

Hans Kohlhase

Am Königsweg vor der Hausnummer 313 steht die Kohlhas-Eiche.  Der Name der Eiche geht auf eine Geschichte vom Pferdehändler Kohlhase zurück. 

Hans Kohlhase sucht sein Recht vergebens

Zu der Zeit, als sich diese Geschichte zugetragen hat, war das deutsche Reich noch zerteilt in viele kleine Länder, die von  vielen Landesfürsten regiert wurden. Einmal - es war im Jahr 1530 - ritt der angesehene Pferdehändler Hans Kohlhase mit seinen Pferden zur Leipziger Messe. Auf dem Heimweg traf er auf eine  Schlagbaum, den er vorher noch nie gesehen hatte. Die Leute des Junkers von Zaschwitz hatten ihn errichtet, um von nun an Wegzoll von allen Reisenden zu verlangen. Hans Kohlhase weigerte sich zu zahlen. Da nahmen sie ihm seine verbliebenen zwei Pferde ab und warfen ihm vor, sie  gestohlen zu haben. Kohlhase sollte ihm den Beweis bringen, dass die Pferde ehrlich erworben und von ihm gezüchtet waren. Hans Kohlhase ließ die Pferde empört beim Junker zurück, um die Papiere aus Berlin zu holen. Der Junker ließ jedoch die edlen Pferde vor den Pflug spannen und gab ihnen kaum Futter.  Als Hans Kohlhase nach einigen Tagen mit dem Beweis seiner Ehrlichkeit zurückkam, sah er seine  Pferde verdorben und abgemagert. In diesem Zustand wollte er sie nicht zurück nehmen. Als Ersatz forderte er deren Bezahlung, was der Junker von Zaschwitz ablehnte. Hans Kohlhase beschwerte sich daraufhin beim Kurfürsten von Sachsen und forderte sein Recht auf Bezahlung von zwei gesunden Pferden. Als sein Einspruch jedoch vergeblich war und er nicht zu seinem Recht kam, sandte er nach damaliger Sitte als freier Mann, dem sein Recht verweigert wurde, einen Fehdebrief an den Landvogt von Sachsen. Darin kündigte an, dass er fortan des Junkers von Zaschwitz und des ganzen Landes Sachsen Feind sein wolle, bis er zu vollem Recht und zu vollem Schadenersatz für alles, was er erlitten, gelange.

Rache an Sachsen

Kohlhase scharte eine Gruppe wilder Gesellen um sich, brach nach Sachsen auf und legte das Schloss des Junkers in Asche und zog ihm sengend und brennend hinterher. Schließlich vereinbarten die Kurfürsten von Sachsen und Brandeburg mit dem zornigen Pferdehändler eine Zusammenkunft in Jüterbog. Inzwischen aber war der verfolgte Junker gestorben und die Erben kehnten hochmütig jedn Schadenersatz ab.  Die kurfürstlichen Räte kehrten unverrichteter Dine zurück und Kohlhase begann die Fehde von neuem.

Allmählich wurde aus dem Kampf ums Recht ein Raubzug. Allerlei Gesindel vergrößerte Kohlhases Schar. 

Weil damals die Häuser Brandenburg und Sachsen im Streit lagen, erhielt Kohlhase Schutz und freies Geleit vom Kurfürsten von Brandenburg. und ebenso vom Erzbischof von Magdeburg. Endlich aber stimmten beide doch zu, dass der Kurfürst von Sachsen den Kohlhase suchen lassen solle. Darauf schickte der Kurfürst von Sachsen 24 Ritter mit voller Rüstung und langen Lanzen aus.  Aber wo sie auch suchten, keiner hatte ihn gesehen, keiner verriet ihn. Hans Kohlhase war so listig und unverzagt gewesen, sich unter die Bauern zu mischen und mit ihnen zu reden. Auch kannte er jeden Weg und jedes Wasser, so dass er den Häschern immer wieder entkommen konnte.
Auf der Suche nach Kohlhase aber ließ der sächsische Kurfürst manch unschuldiges Blut vergießen und Männer hinrichten, die nie mit ihm zu tun hatten. Als im Jahr 1538, am Freitag vor Pfingsten, zwei Schneider-Gesellen gerädert wurden- sie hatten nichts weiter getan als in einer Scheune zu übernachten- ließ Kohlhase in der Nacht die Räder abhauen und den Berg hinablaufen. Die Toten setzte er auf Pferde unter einen Galgen und schrieb auf einen Zettel:" O filii hominum, si vultis judicare, recte judicate, ne judicemini." ( O Menschenkinder, wenn ihr urteilt, so urteilt richtig, damit ihr selbst nicht verurteilt werdet.)
Kohlhase fügte dem Lande Sachsen unerbittlich einen Schaden nach dem anderen zu, so dass der Kurfürst so viel Geld für eine Sache ausgeben musste, welche er am Anfang mit geringen Mitteln hätte klären können.

Martin Luther diskutiert mit Hans Kohlhase

Luther schrieb an Hans Kohlhase einen Brief, in dem er ihn dazu aufforderte, von seinen Rachegedanken abzusehen. Nur Gott habe das Recht auf Rache. Daraufhin reiste  Kohlhase unbemerkt mit seinem Gesellen nach Wittenberg. Er ließ seinen Diener im Gasthaus und klopfte am Abend an Martin Luthers Tür. Als man mehrmals nach seinem Namen und Begehr fragte, wollte er dies nicht sagen. Da ist dem Doktor eingefallen, es könnte vielleicht Kohlhase sein, der da an der Tür stehe. Er ging selbst nachschauen und fragte:" Numqvid tu es Hans Kohlhase?" und dieser antwortete "Sum Domine Doctor". (Bist du es etwa, Hans Kohlhase?- ich bin es, Herr Doktor.) Da hat er ihn heimlich zu sich eingelassen. Er berief die klügsten Theologen und Professoren zu sich und sie diskutierten die ganze Nacht mit Kohlhase über seine Sache. Am Morgen hat Kohlhase bei Luther gebeichtet, das Sakrament empfangen und versprochen, von seinen Plänen abzusehen und dem Lande Sachsen keinen Schaden mehr zuzufügen, was er auch fortan einhielt. Er ging unbemerkt und getröstet zum Gasthaus zurück, da die Herren versprochen hatten, sich seiner Sache anzunehmen.

Das Gold unter der Brücke

Da aber auch der Einspruch der gelehrten Herren nicht ausreichte, dem Hans Kohlhase zu seinem Recht zu verhelfen, riet ihm Georg Nagelschmied, sein Geselle, er solle den Kurfürst von Brandenburg angreifen. Dieser würde sich dann wohl seiner Sache annehmen müssen. Diesem Rat folgend, beraubte Kohlhase den Verwalter des Kurfürsten, Conrad Dratziger, der für den Fürsten Silber eingekauft hatte. Kohlhase wollte das Silber zurückgeben, wenn seine Rechtsangelegenheit zur Verhandlung käme und versenkte das Silber  unter einer Brücke, die seitdem seinen Namen trug. Die Brücke wurde abgerissen als der Teltowkanal gebaut wurde. Die dortige Siedlung aber heißt bis heute noch Kohlhasenbrück. Ob das Silber unter der Brücke jemals geborgen wurde, darüber berichtet keine Chronik.

Das böse Ende

Der Kurfürst von Brandenburg jedoch ging auf den Handel mit dem gestohlenen Silber nicht ein. Er befahl Meister Hannsen, dem Scharfrichter, einem angeblichen Schwarzkünstler, Kohlhase mit seiner Gesellschaft nach Berlin zu zaubern. Kohlhase ließ sich wirklich dazu bringen, Berlin zu betreten. Da man ihn nun fast hatte, ließ der Kurfürst an allen Ecken ausrufen: wer Kohlhase oder seine Gesellen bei sich aufnehme, der solle mit seinem Leben bezahlen. Überall wurden die Häuser und Straßen durchsucht auch das Haus des Kantors  Thomas Meißner. Dort fand man Kohlhase mit seiner Frau, die sich in einen Kasten gelegt hatten.  Als man denselben öffnete, sprang Kohlhase heraus, den Deckel wieder zuschlagend und unverzagt rufend: "Hier bin ich, und trage in der Jopen (Jacke), damit ich büßen und bezahlen kann, was ich missgehandelt". Hans Kohlhase wurde verhaftet. Seine hochschwangere Frau blieb frei, gebar aber anschließend zwei tote Kinder.

Georg Nagelschmidt fand man im Garten eines älteren Ehepaares. Obwohl man die Frau begnadigen wollte, lehnte diese ab. Eng umschlungen wurde das Paar, obwohl sie Nagelschmidt nicht wissentlich versteckt hatten, auf einem Stuhl sitzend, enthauptet.

Am Montage nach Palmsonntag 1540 wurde ein Gerichtstag angesetzt, wo Hans Kohlhase der Prozess gemacht wurde. Drei Stunden lang verteidigte sich Kohlhase mit großer Beredsamkeit und unter allgemeinem Beifall. Weil aber der Kurfürst sehr erbittert war, wurde Kohlhase zum Tode verurteilt. Von der Möglichkeit durchs Schwert zu sterben, hat ihn Nagelschmidt mit dem Satz abgehalten: "Wenn wir gleiche Brüder gewesen, so wollten wir auch gleiche Kappen tragen."

Im Jahr 1540 wurde Hans Kohlhase mit seinem Mitgesellen Georg Nagelschmidt und Thomas Meißner, der Kohlhase versteckt hatte, vor Berlin aufs Rad gelegt.

Der Körper blutete über einen Monat, welches man damals für ein Zeichen der Unschuld hielt, und den Kurfürsten soll nachher das Urteil sehr gereuet haben.

Der historische Luther-Brief

Wittenberg, 8. Dezember 1534

Gnad und Fried in Christo! Mein guter Freund! Es ist mir fürwahr Euer Unfall leid gewesen, und noch, das weiß Gott; und wäre wohl zuerst besser gewesen, die Rache nicht furzunehmen, dieweil dieselbe ohne Beschwerung des Gewissens nicht furgenommen werden mag, weil sie ein selbs eigen Rache ist, welche von Gott verboten ist, Deut. 32. Röm. 12: Die Rache ist mein, spricht der Herr, ich will vergelten etc., und nicht anders sein kann; denn wer sich darein begibt, der muß sich in die Schanz geben, viel wider Gott und Menschen zu tun, welchs ein christlich Gewissen nicht kann billigen.
Und ist ja wahr, daß Euch Euer Schaden und infamia billig wehe tun soll, und schuldig seid, dieselbige zu retten und zu erhalten, aber nicht mit Sunden oder Unrecht. Quod iustum est, juste persequeris, sagt Moses; Unrecht wird durch ander Unrecht nicht zurecht bracht. Nu ist Selbstrichter sein und Selbstrichten gewiß nicht unrecht, und Gottes Zorn läßt es nicht ungestraft. Was ihr mit Recht ausführen moget, da tut ihr wohl; könnt ihr das Recht nicht erlangen, so ist kein ander Rat da, denn Unrecht leiden. Und Gott, der Euch also läßt Unrecht leiden, hat wohl Ursach zu Euch. Er meinet es auch nich ubel noch böse mit Euch, kann auch solchs wohl redlich wieder erstatten in einem andern, und seid drumb unverlassen.
Und was wollt Ihr tun, wenn er wohl anders wollt strafen, an Weib, Kind, Leib und Leben? Hie musset ihr dennoch, so Ihr ein Christ sein wollt, sagen: Mein lieber Herr Gott, ich hab's wohl verdienet, du bist gerecht, und tust nur allzuwenig nach meinen Sunden. Und was ist unser aller Leiden gegen seins Sohns unseres Herrn Christ Leiden?
Demnach, so Ihr meines Rats begehret (wie ihr schreibet), so rate ich, nehmet Friede an, wo er Euch werden kann, und leidet lieber an Gut und Ehre Schaden, denn daß Ihr Euch weiter sollt begeben in solch Fürnehmen, darin Ihr müsset aller der Sünden und Büberei auf Euch nehmen, so Euch dienen würden zur Fehde; die sind doch nicht fromm, und meinen Euch mit keinen Treuen, suchen ihren Nutz; zuletzt werden sie Euch selbst verraten, so habt ihr denn wohl gefischet. Malet ihr ja nicht den Teufel uber die Tür und bittet ihn nicht zu Gevattern, er kömmet dennoch wohl; denn solche Gesellen sind des Teufels Gesindlin, nehmen auch gemeiniglich ihr Ende nach ihren Werken.
Aber Euch ist zu bedenken, wie schwerlich Euer Gewissenertragen will, so ihr wissentlich sollet so viele Leute verderben, da Ihr kein Recht zu habet. Setzt Ihr Euch zufrieden, Gott zu Ehren, und lasset Euch Euern Schaden von Gott zugefüget sein und verbeißet's umb seinetwillen, so werdet Ihr sehen, er wird wiederumb Euch segenen und Euer Erbeit reichlich belohnen, daß Euch lieb sei Euer Geduld, so Ihr getragen habt. Dazu helfe Euch Christus unser Herr, Lehrer und Exempel aller Geduld und Helfer in Not, Amen. Dienstag nach Nicolai 1534.

 

Johann Kunckel, der Alchimist auf der Pfaueninsel

 

Kunckel, Sohn eines Alchimisten und Hüttenmeisters, diente seit 1659 als Alchimist und Apotheker am Hof des Herzogs von Sachsen- Lauenburg und erwarb in dieser Zeit durch Reisen u. a. nach Venedig, der ehemaligen Hochburg der europäischen Glasmacherkunst, erste Einblicke in die Technologie der Glasmacherei. Um 1670 übernahm er die Leitung des Kurfürstlichen Laboratoriums in Dresden. Hier befasste er sich u. a. mit dem Problem der Transmutation. Als er allerdings 1677 das ihm zugesicherte Jahresgehalt von 1 000 Talern anmahnte, meinte der Kurfürst: »Kann Kunckel Gold machen, so bedarf er keines Geldes, kann er solches nicht, warum sollte man ihm Geld geben?

Johann Kunckel ging nach Berlin. Dort erhielt er von Friedrich Wilhelm den Titel "Geheimer Kammerdiener". Darüber hinaus schenkte er ihm 1685 die heutige Pfaueninsel zum Aufbau einer Rubinglashütte und eines geheimen Labors. Damit seine Leute, wie in einer Urkunde nachlesbar ist, "Nicht gezwungen seien, des Backens und Brauens, des Mahlens und Schrotens halber, die Insel zu verlassen", war Kunckel gehalten, auf der Pfauaeninsel eine Windmühle, eine Bäckerei, eine Brauerei und eine Branntweinbrennerei einzurichten.

Das Betreten und Verlassen der Insel wurde unter Strafe gestellt, ausgenommen natürlich waren Kunckel und der Kurfürst. Kunckel experimentierte mit Rubinglas und stellte farbiges Glas her. Er war zugleich Leiter der Kristallglashütte am Potsdamer Hafendamm. Im Mai 1688 starb der Große Kurfürst. Im Mai des folgenden Jahres brannten Kunckels Glashütten und sein Laboratorium ab. Als Kunckel nach dem Tod Friedich Wilhelms von Beratern des Nachfolgers Friedrich III. gefragt wurde, welchen Nutzen seine Arbeit bringe, erklärte er: "Der hochselige Herr war ein Liebhaber von seltenen und kuriosen Dingen und freute sich, wenn etwas zu Stande gebracht wurde, was schön und zierlich war. Was dieses genützt hat, diese Frage kann ich nicht beantworten." 

Diese Aussage führte dazu, dass sich Friedrich III. von Kunckel abwandte.

Moralisch beschädigt, wirtschaftlich ruiniert und verschuldet, zog es Kunckel vor, sein Berliner Stadthaus zu verkaufen, seine Schulden zu begleichen und 1692 als armer Mann, aber vor allem unendlich reich an chemo- technologischer Erfahrung, Brandenburg wieder zu verlassen, um nach Stockholm zu gehen. Das Kurfürstentum verlor mit ihm ein naturwissenschaftliches Juwel. Sein Sachverstand erlaubte es Kunckel in Schweden, angemessene Anerkennung zu finden. Der Ernennung zum Königlichen Bergrat folgte die Erhebung in den Adelsstand. 1703 starb er als Kunckel von Lövenstjern. Heute erinnert an sein Leben und Wirken in Berlin- Brandenburg auf der Pfaueninsel ein schlichter Naturstein, der seinen Namen trägt.

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