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Sagen von Charlottenburg- Wilmersdorf

 

Die schwarze Frau im Charlottenburger Schloss

Schildhorn

Der Wassermann vom Lietzensee

Das Holzmännchen von Schmargendorf

Spuk im Jagdschloss Grunewald

Der Stein in der Lietzower Kirche

Der wilde Eber 

 

Die schwarze Frau im Charlottenburger Schloss

Schloss Charlottenburg 2000

 

Zur Zeit, als Friedrich Wilhelm III. preußischer König war, siedelte der Hof mitunter von Berlin nach Charlottenburg um. Als sich gerade mal wieder eine kleine Gesellschaft im Teehäuschen vergnügte, trat plötzlich eine schwarz gekleidete Frau ein. Sie verlangte den König zu sprechen. Da der König nicht anwesend war, wandte sich der Kronprinz ihr zu. Sie lehnte jedoch ein Gespräch mit ihm ab und wollte nur dringend mit dem König sprechen. Alles war entsetzt über diesen Verstoß gegen die Etikette des Hofes. Plötzlich rief die Frau: "Der König kommt!" Und tatsächlich öffnete König Wilhelm III. die Tür. 

Niemand hatte ihn erwartet. Man benachrichtigte ihn sofort von dem Verlangen der schwarzen Frau. Er aber wurde ungeduldig: "Man soll ihr Geld geben und sie fortschicken", meinte er barsch. - Verletzt wandte sich die Frau dem Ausgang zu: "Ihr werdet es bereuen, dass Ihr nicht hören wolltet, was ich Euch zur Warnung zu sagen kam", antwortete sie leise. Dann trat sie durch die Wache hinaus und verschwand.

Kurze Zeit darauf trauerte der Monarch am Sarg der Königin Luise

 

Das Schildhorn

 

Die Einwohner von Pichelsdorf erzählen, dass ihr Dorf eines der ältesten in der ganzen Gegend sei, denn es habe schon bestanden, als die Menschen noch in der Erde wohnten. An diesem Dorf bei den Pichelsbergen bildet die Havel einen großen See, an dessen Zulauf es eine große Landzunge gibt, die an ihrem äußersten Ende steil zum Wasser hin abfällt.Bis zu eben dieser Stelle soll in den Zeiten eines alten Religionskrieges ein Ritter vor seinen Verfolgern geflohen sein. Als die ihm nachsetzenden Feinde sahen, in welche ausweglose Situation er sich gebracht hatte, riefen sie triumphierend: "Nun haben wir ihn im Sack", weshalb dieses Landstück auch heute der "Sack" genannt wird. Der Ritter jedoch faßte Mut und versuchte das letzte Mittel der Rettung. Er gab seinem Roß die Sporen und stürzte sich mit diesem in den See. Das brave Tier mühte sich redlich und brachte seinen Herrn an das gegenüber gelegene Ufer, das dort wie eine Spitze in den See hineinragte. Zum ewigen Gedenken an den gefährlichen Ritt und seiner glücklichen Flucht hängte der Ritter seinen Schild und sein Horn an eine Eiche, weshalb diese Stelle noch heute "Schildhorn" heißt.

Einige sagen, der Ritter sei Fürst Jacze (Jaczo) von Köpenick gewesen, nachdem Albrecht der Bär ihn 1157 aus der Brandenburg vertrieben und er bei Spandau noch einmal geschlagen worden sei. Infolge seiner glücklichen Flucht über die Havel soll Jazco dann den christlichen Glauben angenommen haben. In Charlottenburg, d. h. im alten Lietzow, erzählt man hingegen, es sei der letzte "Wendenkönig" gewesen, der Wendenfürst Pribislav von Brandenburg, der zusammen mit seinem Adjutanten in diese mißliche Situation geriet, nachdem er bei Caputh geschlagen worden war. Als Pribislav sein Pferd in die Havel lenkte, soll es schlecht um ihn gestanden haben und schon drohte er zu ertrinken. Da seine Götter ihn verließen, gelobte er verzweifelt, Christ zu werden, wenn der Christengott ihn nur retten würde und er soll daraufhin bis zum gegenüberliegenden Ufer gekommen sein, während sein heidnischer Gefolgsmann in dem See ertrank. Mit dieser Version stimmen ältere Aufzeichnungen überein, nach denen Pribislav den christlichen Glauben annahm und da er selbst kinderlos war, sein Land dem Sohn Albrechts vermachte, damit es christlich bliebe. Desweiteren ließ er den Götzentempel in Brandenburg zerstören.

 

Der Wassermann vom Lietzensee

 

Bevor der schöne Park am Lietzensee seine heutige Gestalt erhielt, befand sich darin unter dichtem Gebüsch versteckt ein Gartenhäuschen mit hohem Dach, das von Ferne wie die Spitze eines Kirchturms aussah. Die Sage aber meint, das sei wirklich der Rest einer kleinen Kirche gewesen, die der Wassermann vom Lietzensee dort versenkt hat.

Es stand nämlich einst ein Dörfchen an dieser Stelle, in dem ein gottesfürchtiger Bauer lebte. All seinem Tun war Erfolg beschiedn. Seine Felder trugen reiche Frucht und sein Viehbestand mehrte sich. Als er eines Tages sehr zeitig in den Stall trat, erblickte er einen alten Wassermann, der in Fischhaut gekleidet war, dem Vieh bereits Futter gestreut hatte und fleißig dabei war, die Milchkuh zu melken.

Erschrocken stieß er mit dem Fuß gegen den Melkeimer. Da war der Wassermann plötzlich unsichtbar. Aber seine Stimme war zu hören und er schimpfte bei der Arbeit gestört worden zu sein. Der Bauer aber bekreuzigte sich und rief: "Heb dich von dannen, ich mag von gottlosen Wesen keine Hilfe haben." Da wurde die Stimme des Wassermanns ganz traurig. "Du meinst, ich sein ein teuflisches Wesen, dabei bin ich jedoch fromm und christlich wie du." Und der Wassermann sang mit leiser klarer Stimme ein Kirchenlied. 

"So bist du ein menschliches Wesen?" fragte der Bauer "reiche mir deine Hand." Und eine zarte kühle Kinderhand legte sich in seine harte Faust. Der Bauer gab sein Einverständnis, dass der Wassermann bleiben dürfe.  Er erzählte niemandem davon und sein Wohlstrand mehrte sich. 

Im Hochsommer aber badete eines Abends die Frau des Wassermanns im See. Sie hatte ihr Pelzchen abgelegt und spiegelte sich in der klaren Flut. Dabei überraschte sie eine Magd des Bauern und erhob ein großes Geschrei. Und weil das Wasserweibchen seinen pelz nicht erreichen konnte, konnte es nicht untertauchen und bespritzte sie Magd mit Wasser um diese zu vertreiben. Erst als der Wassermann hinzueilte und ihr das Pelzchen überwarf, konnten sie untertauchen.

Das Mädchen behielt dieses Erlebnis nicht für sich und erzählte es im Dorf. Als nun der Bauer ebenfalls den Mund aufmachte und den Wassermann verteidigte, dieser sei ein frommes und liebes Wesen, beschuldigte man ihn der Zauberei. Und man ging noch weiter. Am nächsten Sonntag war der Bauer zur Messe. Da drang eine Gruppe Dorfbewohner in die Kirche ein, trieb den frommen Mann unter Spott und Schande hinaus und erschlug ihn.

Da beschloss der Wassermann den Untergang des ganzen Dorfes. Er befahl seiner Frau Buchweizenkerne zu mahlen. Das war eine Arbeit, die sie sehr ungerne tat, und bei der sie unter schimpfen mächtig die Mühle bewegte. Bald begann im See ein heftiger Mahlstrom zu kreisen.

Der wühlte sich unter die Ufer und zog die Häuser mit allen lebendigen Wesen in die Tiefe hinab. Als die Spitze der Kirche nur noch wenig aus dem Lande herausragte, gebot er seiner Frau Einhalt. 

Zur Dämmerstunde aber kletterte er dann daran empor und sang. 

Die Leute sagten, die Urne schreit. Die Urgroßmutter jedoch erzählte, der Wassermann lobt seinen Gott.

Sie hatte recht.

 

Das Holzmännchen von Schmargendorf

 

Einige Tage vor der Hochzeit ihrer Enkelin ging die alte Ursel zur Dämmerstunde durch den Wald. Da bemerkte sie auf dem sandigen Weg einen kleinen schwarzen Holzschlitten, der sich lautlos von alleine vorwärtsschob. Ein gleicher Schlitten kam von der anderen Seite entgegen. Als sie nebeneinder standen, hielten sie einen Augenblick an und die Ursel hörte eine Stimme fragen: "Ist es bald Zeit?" Aus dem anderen Gefährt kam die Antwort: "In dreien Tagen wird es Zeit."

Dann rutschten die Holzschlitten weiter.

Die Ursel schwieg ganz still. Sie wusste, dass es Holzmännchen waren, die zur Arbeit fuhren.  Und da in drei tagen die Hochzeit ihrer Enkelin war, erhoffte sie sich großes Glück.

Zum Polterabend trat wirklich ein ehrbares Holzgeistchen zu der Braut und sagte: "Frage den Pfarrer, ob er mich morgen leiden mag."

Der Pfarrer war ein verständiger Mann und erlaubte den Besuch im Hochzeithause. Ein Tischchen und Stühlchen und Puppengeschirr wurde bereit gestellt.  Der Holzgeist erschien auch anderntags zur Hochzeit, brat die Braurt um einen tanz und führte sie leicht und sicher. Zu allen jungen Mädchen, die reinen Herzens waren, trat er heran und schwang sie einmal im Zimmer herum.

Spät in der Nacht beschenkte das Holzmännchen die Spielleute reichlich. Dem Brautpaar aber legte es eine neue Säge und ein silbernes Forstbeil auf den Gabentisch.

Der Bräutigam ist auch recht bald darauf Förster geworden und hatte zeitlebens ein sicheres Auskommen.

Da der Holzgeist das Essen nicht angerührt hatte, nahm die Braut alles auf ein Tellerchen und setzte es in den Mondschein auf die steinerne Hausschwelle vor die Tür hinaus., und im Augenblick waren Tellerchen und Tässchen leer.

Darüber war große Freude im Haus und die Mädchen, mit denen das Holzmännchen getanzt hatten heirateten noch in demselben Jahr.

 

Spuk im Jagdschloss Grunewald

 

Im Grunewald ist manche Stelle, wo es nicht ganz richtig sein soll; vor allem aber spukt es im Grunewalder Jagdschloss. Waren einmal ein paar Fischer zur Herbstzeit im Schloß und hatten sich, nachdem sie bis spät am Abend gefischt, müde in dem Seitengebäude in einem eine Treppe hoch gelegenen Zimmer zum Schlafen hingelegt. Sorgfältig hatten sie die zwei Türen, sowohl die unten an der Treppe als auch die andere, welche oben vom Treppenflur in das Zimmer führt, zugemacht. Auch die dritte Tür, die nach der angrenzenden Kammer geht, war fest zu, wie sie denn auch keiner ohne die zugehörige Klinke überhaupt öffnen kann.

Als sie nun im tiefen Schlaf lagen, kam es laut und vernehmlich »trott, trott, trott« die hölzerne Treppe herauf, die Stubentür flog auf, und sausend stürzte es durch die Stube. Die Kammertür öffnete sich, und heulend wie ein Sturmwind zog's in die Kammer hinein. Dann war's still im Zimmer. Da mit einemmal fuhr es aus dem Schlot und polterte den Ofen hinab. Wieder war dann alles still. Die Männer aber waren gleich anfangs aufgewacht und zitterten und bebten vor Entsetzen, eiskalt fuhr es ihnen durch Mark und Bein, es wagte keiner aufzusehen, sondern alle zogen sich ihre Mäntel übers Gesicht, als es bei ihnen vorbeiging. Als aber das Tosen und Poltern im Ofen vorbei war, fuhren sie auf und im Nu, sie wußten selbst nicht wie, waren sie die Treppe hinunter und stürzten über den Hof in die Kutscherstube; erst da wagten sie aufzuatmen.

Ein anderes Mal passierte ähnliches, als sie in der Kutscherstube selbst schliefen. Da öffnete sich plötzlich die Pferdestalltür und der Kutscher kam zitternd zu ihnen in die Stube. Hinter ihm raste es wie ein Wirbelwind, riß die Flurtür auf und fuhr durch den schmalen Flur nach dem Hof hinaus. Wie sie da ans Fenster eilten, sahen sie mit Schrecken, wie es im Mondschein wild auf dem Hof und an den Wänden der Gemäuer herumjuchte und tobte wie die wilde Jagd und ganz deutlich eine weiße Gestalt da herumstürmte. Derartiges wollen die Leute, die dort verkehren, öfters erlebt haben.

Namentlich soll aber der alte Kellermeister (der auch auf dem Bild am Eingang abgebildet ist) des Nachts um zwölf Uhr noch oft die große Wendeltreppe des Schlosses herabkommen und mit den Schlüsseln klappern. Auch fangen manchmal die alten großen Bratspieße unten in der gewölbten Küche an, sich von selbst zu drehen. Das Leben, das hier früher gewesen zu der alten Kurfürsten Zeiten, erklärte dabei der Erzähler, ist noch nicht vollständig zur Ruhe gekommen, und damals ist auch manches passiert, was jetzt nicht mehr vorkommt. So soll in einem Zimmer des südlichen Flügels einmal jemand eingemauert worden sein. Einige meinen, es sei die schöne Gießerin Anna Sydow gewesen, welche Kurfürst Joachim liebgehabt und deren Geist nun noch spuke; andere behaupten, es sei eine Hofdame, welche er geliebt und die seine Gemahlin während seiner Abwesenheit lebendig da hat einmauern lassen. Wunderlich sieht die Stelle allerdings aus, zumal eine kleine Wendeltreppe im oberen Stock sich gerade an sie anschließt und früher von dort auch nach unten geführt zu haben scheint; wer weiß aber, ob da überhaupt etwas eingemauert war und die Treppe nicht einfach abgebrochen und die Stelle zugemauert wurde?

 

Der Stein in der Lietzower Kirche

 

Vor den Toren Berlins lagen die Schweden und ließen niemanden hinein oder hinaus. Der schwache Kurfürst war vor dem Elend geflohen und saß sicher in Königsberg. Adam von Schwarzenberg sollte die Heimat beschirmen. Der hingegen saß im festen Spandau und hielt jeden Tag Kriegsrat ohne etwas zu tun. Nun war auch noch die Pest in der Stadt Berlin ausgebrochen.

An der Wache am Spandauer Tor stand eine Frauengestalt und bat den Wächter sie über die Mauer zu lassen. Es war die Prinzessin Anna Katharina, die nach Spandau wollte. Der Wächter gehorchte und die Prinzessin überschritt auf einem schwankenden Brett den Festungsgraben, dann nahm sie der Tiergarten auf. Ein heimlicher Pfad führte sie zum Dorf Lützow. Am Hause eines Fischers klopfte sie an. Der verstand sie sofort und brachte sie mit seinem Kahn nach Spandau. Die Prinzessin gab sich zu erkennen und erhielt Einlass in die Festung Spandau. Man führte sie zu Schwarzenberg und sie zwang ihn zum Handeln und gegen die Schweden vorzugehen.

Dann eilte sie zur Spree zurück, wo der Fischer auf sie wartete. Aber die Schweden waren wachsam und Soldaten verfolgten sie. Der Fischer stieg an Land, warf einige ungebrannte Ziegelsteine auf das morastige Ufer und half der Prinzessin an Land.

Sie waren gerettet und in der Ferne hörten sie die Verwünschungen der schwedischen Soldaten.

Am Morgen holte der Fischer seine  Kahn. Da fand er in einem der Ziegelsteine am Flussufer den Fußabdruck der Prinzessin. Den Ziegel ließ er mitbrennen und bewahrte ihn sorgfältig auf.

Endlich waren die Schweden verjagt und wieder Friede im Land.

Da holte er den Ziegelstein hervor und zum Gedenken an jene Nacht wurde der Stein unter der Kanzel der Lietzower Kirche eingemauert, als das zerstörte Dorf neu erbaut wurde.  Die Kirche wurde entgültig im Zweiten Weltkrieg zerstört.

 

Der wilde Eber

 

Es ist überliefert, dass sich im Jahr 1885 ein Eber in den eingezäunten Biergarten des Gartenrestaurants „Zur Waldschänke“ verirrte und die Gäste belästigt haben soll. Der Wirt Albert Schmidt erlegte daraufhin das Tier mit seiner Flinte. Seit dieser Zeit nannte er sein Restaurant "Zum Wilden Eber". Nachdem anstelle des Gasthauses eine Grünanlage angelegt worden war, ließ der Gastwirt dort ein Eber-Standbild aufstellen.