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Sagen aus 

Alt-Berlin

 

Die Rippe

Der Baumeister von Sankt Marien

Der Zinnenbläser von Sankt Marien

Wütende Berliner töten den  Probst von Bernau im Jahr 1335

Der fliegende Chorschüler

Das Kloster der Schwarzen Brüder

Der große Judenhof

Die drei Linden auf dem Heilig-Geist-Kirchhof  

Das Bernauer Bier

Der Weber am Georgentor

 

Die Rippe

 

Am dem Haus Molkenmarkt, Ecke Molkenstraße steht das Gasthaus "Zur Rippe". An dem Haus sind ein Schulterblatt und eine Rippe befestigt. Die Sage erzählt drüber folgendes:

Als noch die Riesen über das Land wanderten, sollen zwei dieser groben Gesellen nach Berlin hineingekommen sein. Sie gingen auf den Markt und sahen die ganzen Waren dort aufgebahrt liegen, und weil sie nichts von den Gebräuchen der Erdenwürmer verstanden, nahmen sie sich einfach, was ihnen gefiel. So steckten sie das Beste der Waren in einen gewaltigen Korb, den der eine mit sich führte, bis eine erboste Händlerin den Riesen eine Metze Eier vor die Füße schüttete. Die groben Kerle traten hinein, glitten aus und wurden, sobald sie zu Boden gefallen waren, von dem wütenden Marktvolk umringt. Der eine blieb erschlagen liegen, denn er rutschte beim Aufstehen immer wieder mit seinem schweren Korb aus, während der andere mit etlichen Wunden hastig entfloh. Als der Tote nun begraben werden sollte, stellte man fest, dass keiner der Kirchhöfe groß genug war, um den gewaltigen Leib aufzunehmen. So zerhieb man den Riesenkörper und bestattete auf jedem Kirchenhof ein Stück von ihm. Zwei der Knochen jedoch, ein Schulterblatt und eine Rippe, hat man an einem Haus am Molkenmarkt angenagelt, das seitdem "die Rippe" heißt.

In dem heutigen Neubau  am Molkenmarkt ist heute wieder ein Gasthaus mit dem Namen "Die Rippe" und mit den entsprechenden Wahrzeichen.

 

Der Baumeister von Sankt Marien

 

Der Baumeister der Marienkirche (heutige Adresse: Karl-Liebknecht-Straße 8)  war ein leidenschaftlicher Spieler. Als er sein Vermögen verspielt hatte, vergriff er sich an den Baugeldern und gewann. Dadurch noch leichtsinniger geworden, nahm er am anderen Tag die gesamte Baukasse mit sich. Am Spielort traf er einen fremden Mann, der ihn  alsbald zu einem Spielchen einlud. In kurzer Zeit hatte der Baumeister das gesamte Geld verloren und wollte sich das Leben nehmen. 

Da hielt ihn der Fremde zurück und bot ihm einen Pakt an. Der Baumeister erkannte in ihm den Teufel und willigte ein, ihm seine Seele zu geben, wenn er nur das Baugeld zurück erhalten könnte. Das war dem Teufel aber nicht genug. "Du machst beim Ausbau des Hauptgewölbes der Kirche einen Fehler und richtest es so ein, dass dein Gebäude bei der Weihe über den Gläubigen zusammenbricht. Alle diese Seelen gehören dann mir." 

Der Baumeister unterschrieb den Pakt mit seinem Blut. 

Bald aber gereute ihn sein schlimmer Handel und er dachte daran, den Teufel zu überlisten. und baute die Gewölbe stark und fest.

Wie nun die Einweihungsfeier vorüber war und der Baumeister sich als Letzter im Gespräch mit dem Bürgermeister der Kirchtür näherte, erblickte er davor den Teufel und getraute sich nicht über die geweihte Schwelle. Der Bürgermeister aber zog ihn verwundert hinaus. Der Teufel stürzte sich auf den Baumeister und als der Bürgermeister sich erschrocken umdrehte, lag dieser mit gebrochenem Hals vor der Tür der Kirche. 

 

Der Zinnenbläser

 

Am ersten Sonntag nach der Vollendung der Marienkirche soll der Stadtmusikus einen seiner Zinnenbläser frühmorgens auf den Turm geschickt haben, damit er einen frommen Choral zu Ehren Gottes bliese. Dreimal setzte er sein Instrument an den Mund, aber es kam kein Ton heraus. Zitternd stieg er wieder hinab und sagte: "Da oben geht es um".
"Du bist ein Narr", schalt ihn der Meister und sandte einen zweiten Bläser hinauf, doch dem erging es nicht besser.
Da wurde ein Dritter befohlen, der besprengte sich zuvor mit Weihwasser und stieg dann frohgemut auf den Turm. Hell und klar blies er den ersten Vers, doch als er von Neuem beginnen wollte, sah er den Teufel neben sich stehen, erhielt plötzlich einen furchtbaren Stoß und stürzte über das Geländer in die Tiefe.
Sein weiter Mantel jedoch fing den Wind auf und bald glitt er sacht und sanft wie ein Vogel zu Boden. Ohne Schaden zu nehmen, kam er unten an.

 

Das Steinkreuz vor der Marienkirche

 

Neben dem Eingang zur Marienkirche am Alexanderplatz  steht ein Steinkreuz. Es gibt einige Erklärungen dafür.

 

Wütende Berliner töten den  Probst von Bernau im Jahr 1335

 

Mitleidlos trieb der Probst Nikolaus von Bernau die Steuern  für die Kirche in Berlin ein. Er schonte auch die Armen und Kranken nicht und nahm mitleidlos Kuh und Schwein aus dem Stall, wenn nicht pünktlich gezahlt wurde. Dabei waren die Zeiten gar traurig. Krieg zog durch das Land. Wie nun am 16. August 1325 gerade Markt auf dem Platz vor der Marienkirche abgehalten wurde, erschien der Probst mit reichem Gefolge, entstieg seiner Sänfte und schritt hochmütig durch das Marktvolk zur Kirchentür, während seine Leibgarde die Leute mit Hellebarden beiseite stießen. Ein Teil der Menge folgte ihm in die Kirche. Der Probst  bestieg die Kanzel und beschimpfte die Berliner, weil sie zu ihrem Landherren hielten, statt den Sachsen zu folgen. Als das Volk murrte,  drohte er mit dem Bann. Dadurch jedoch wurden die Gemeindemitglieder noch wütender und als der Probst die Kirche verließ, wurde er zu Boden gerissen und zu Tode geprügelt. Der Bischof von Brandenburg verhängte daraufhin über die Stadt Berlin tatsächlich einen Kirchenbann, der erst 1347 wieder aufgehoben wurde. Nun läutete keine Glocke mehr, keine Trauung wurde mehr vollzogen, kein Kind mehr getauft. Ohne Priester wurden die Särge versenkt. Als Strafe mussten die Bürger viel Geld zahlen. Darüber hinaus machte der Bischof zur Bedingung, dass vor der Kirche, wo der Mord im Jahr 1935 verübt worden war, ein Sühnekreuz aufgestellt wird, an dem das ewige Licht leuchten müsse. Das Licht leuchtet heute nicht mehr und anstatt des Christuskörpers, der wahrscheinlich an dem Kreuz befestigt war, sieht man nur noch 5 Löcher. Auch wurde das Kreuz umgesetzt, es stand ursprünglich dort, wo jetzt das Küsterhaus steht. 

 

Der fliegende Chorschüler

 

Besonders gerne erzählen Eltern ihren Kindern auch folgende Geschichte: Drei Chorknaben stiegen einmal auf den Kirchturm der Marienkirche, um Vogeleier aus den Nestern zu stibitzen. Dazu wurde einer von ihnen auf einem Brett sitzend aus dem Fenster geschoben. Die beiden anderen Jungen hielten das Brett. Weil sich die Jungen nicht über die Verteilung der Eier einigen konnten, ließen die Beiden das Brett los und der darauf sitzende Junge stürzte vom Kirchturm herab. Doch plötzlich kam ein  starker Wind auf und fing sich im Ministrantenkleid des Jungen, dass dieser langsam herabflog und unbeschadet auf dem Boden ankam. Aus Dank für diese wundersame Rettung und als Mahnung an streitende Jungen soll das Kreuz dort stehen.
Aber nicht nur die Eltern auch die Kinder erzählen sich eine Geschichte über das Kreuz. Wenn einer es schafft, mit einem Mal seine 5 Finger in die 5 Löcher des Steinkreuzes zu stecken, dann dreht sie die Marienkirche einmal um sich selbst. Ob das jemals geklappt hat, darüber gibt es noch keinen Bericht.

 

Das Kloster der schwarzen Brüder

 

Vor langer Zeit soll ein Bild an einem Haus in der Brüderstraße gehangen haben, das aux quatre Philemons genannt wurde. Es soll vier Brüder zusammen auf einem Pferd sitzend gezeigt haben. 

Das waren vier Brüder, die wegen ihrer treuen Liebe zueinander bekannt waren und was immer einer tat, das tat er nicht ohne die anderen drei. Ging einer aus, so kamen die anderen mit; es soll auch nicht unüblich gewesen sein, dass alle vier zusammen auf einem Pferd ritten.

Über diese brüderliche Eintracht ärgerte sich aber der Teufel und so schickte er ein wunderschönes Mädchen zu ihnen. Als die Brüder sie erblickten, waren sie von einer heftigen Leidenschaft entflammt und jeder begehrte sie für sich allein. Sie folgten der lieblichen Versuchung, doch verschwand sie auf einmal nahe dem Tor und die Brüder trennten sich zum ersten Mal in ihrem Leben; Stumm, ohne dass einer dem anderen etwas sagte, schlug jeder seinen eigenen Weg ein, in der Hoffnung, dem hübschen Mädchen wieder zu begegnen. Der Teufel glaubte schon, er habe gesiegt. Aber beschämt trafen sich die vier Brüder wieder  und wurden gewahr, dass sie beinahe in des Teufels Netze gefallen wären. Sie hielten nun noch fester zusammen, legten schwarze Mäntel an. Und damit nie wieder ein irdischer Reiz zwischen ihnen stehe, erbauten sie das Kloster der Schwarzen Brüder an eben der Stelle, wo ihr Haus stand, und nahmen Gefährten an, die gleich ihnen den Frieden suchten. Als sie starben, vermachten sie das Kloster der Kirche. Gegen 1540 wurden die Gebäude ihrer Bestimmung entzogen, aber sie standen noch zweihundert Jahre , bis sie abgerissen wurden.

 

Der große Judenhof

 

In der Judenstraße auf einem Parkplatz steht eine alte Akazie, von der es heißt, unter ihr befände sich ein großer Schatz. Die Sage erzählt davon folgendes aus dem 14. Jahrhundert:

Der Gelddrache war über Berlin gesehen worden. Bedeutete dies Glück oder Unglück? Tatsächlich erschien der Drache auch und kreiste über einem Haus im Judenhof. Seit 1350 lebten hier die Juden in einem Viereck von elf kleinen Häusern. 

Endlich ließ der Drache sich nieder und verschwand durch eine Luke auf dem Boden eines der Gehöfte. 

Der Rabbiner besprach sich mit den Bewohnern des Judenhofes: "Wenn er bei uns leben und unser Tun segnen soll, dann müssen wir ihn  ernähren. Einen Brei muss er alle Tage haben, schweigend zur Mitternacht vorgesetzt, nie zu warm und nie zu kalt. Sonst bringt er uns Fluch statt Segen."

Alle wollten den Drachen pflegen und man einigte sich endlich, ihn reihum zu bekochen. 

Die Sage behielt recht. Der Wohlstand aller mehrte sich zusehends, die Verachtung ließ nach. Eine glückliche Zeit schien für den Judenhof gekommen zu sein. 

Da geschah es, dass einer der Wärter eines nachts vergaß, die Wärme des Breis zu erproben. Und als der Drache kostete, schrie dieser: "Zu heiß, zu heiß!" , zerbrach die Dachsparren und fuhr hinaus. 

Alsbald begann in der Stadt ein seltsames Raunen. Ach, die Juden kannten das aus früheren Zeiten, eine neue Verfolgung stand nahe bevor. 

So brachte ein jeder sein Geld in den Hof. Ein Teil der Schätze wurden im Keller vergraben. Das Gold aber versenkte man tief unter den Wurzeln der großen Akazie. 

Dann brach die Verfolgung mit grausamer Härte herein. Nach Jahren erst konnte der Keller wieder geprüft und durchsucht werden. Alles war fort und im Gestein sah man Krallenspuren. Da hatte der Drache gewühlt.

Die alte Akazie aber hatte ihre Wurzeln so tief und dicht verzweigt, dass an ein Wiederfinden des Goldes nicht zu denken war. Eine Furcht hielt die Menschen zudem ab, danach zu graben.

 

Die drei Linden auf dem Heilig-Geist-Kirchhof  

 

An dem Haus Klosterstraße 87 war früher eine Tafel angebracht, die drei Lindenbäume zeigte und an die alte Sage erinnerte. Die Brüder Halkan hat es gegeben. Das Wappen mit ihren Namen und der Darstellung von drei Krügen ist im Märkischen Museum zu sehen. Auch gibt es ein Aquarell, das 1825 nach einem alten Stich angefertigt wurde und den Heiliggeistfriedhof mit den prächtigen Linden zeigt.. Den Friedhof gibt es nicht mehr, aber an die alten Zeiten erinnert die Heiliggeistkapelle, ein rotes gotisches Backsteinkirchlein in der Spandauer Straße, das zum ersten Mal im Jahre 1288 urkundlich erwähnt wurde.


In der Klosterstraße wohnten drei Brüder, Peter, Jacob und Hans Halkan, die sich sehr zugetan waren. Von ihren Nachbarn geachtet, führten sie ein friedliches Leben, bis sich etwas Schreckliches ereignete. Es war Markttag in Berlin, und viel Volk drängte um die Buden, Hans Halkan mitten darunter, als plötzlich ein Mann direkt neben ihm zusammenbrach. Hans beugte sich zu dem am Boden Liegenden, um zu sehen, was ihm fehle, und sah zu seinem Entsetzen, dass ein Messer in dessen Rücken steckte. Der Mann war tot. Der Mörder musste zugestoßen und sich im Gedränge davongemacht haben. Hans Halkan stand neben der Leiche, und so hielt man ihn für den Missetäter und nahm ihn fest. Er beteuerte seine Unschuld, aber man glaubte ihm nicht, und da er auf alles Befragen hartnäckig leugnete, sollte er gefoltert werden. Peter und Jacob Halkan konnten den Gedanken nicht ertragen, dass ihr Brüder nun den ausgeklügelten Grausamkeiten der Tortur ausgesetzt sein würde, und sie gingen unabhängig voneinander zum Gericht, um auszusagen, ihr Bruder sitze unschuldig im Gefängnis, da sie die Tat begangen hätten. Als Hans Halkan erfuhr, wessen sich seine Brüder bezichtigten, legte er ein Geständnis ab, weil er nicht wollte, dass sie sich für ihn opferten. Nun hatte der Richter statt des einen Angeklagten, der bisher nichts zugegeben hatte, drei, von denen jeder behauptete, er sei der Mörder. Der Richter wusste nicht, was er machen sollte. Er ging zum Kurfürsten und legte ihm den Fall dar. Der Kurfürst wusste auch nicht, wie zu entscheiden wäre, und verfiel auf einen früher beliebten Ausweg: ein Gottesgericht sollte sprechen. Zu diesem Anlass dachte man sich etwas besonderes aus. Die Brüder wurden geholt, und jeder musste auf dem Heiliggeistfriedhof eine junge Linde pflanzen, aber mit der Krone ins Erdreich, so dass die Wurzeln in die Luft ragten. Dann wurden sie wieder ins Gefängnis zurück gebracht. Wessen Linde im Frühjahr an den Wurzeln Blätter treiben würde, der sollte als unschuldig gelten.
Als der nächste Frühling kam und alle Bäume und Sträucher im ersten Grün standen, zeigten sich auch an den Linden grüne Blätter. Alle drei Bäume waren angegangen. Das war für das Gericht das Zeichen, dass die Brüder unschuldig waren, und sie wurden nach Hause entlassen. Erst viele Jahre später gestand einer der Knechte von Halkan auf dem Sterbebett, dass er der Mörder gewesen sei.
Die drei Linden aber wuchsen zu stattlichen Bäumen heran, deren Äste miteinander verflochten waren und ein dichtes Laubdach bildeten, in dessen Schatten die Berliner gern an heißen Sommertagen saßen.

Lange waren die drei Linden ein Wahrzeichen von Berlin. 

Die Wappenschilder der drei Brüder Halkan werden noch heute in der großen Halle des Märkischen Museums aufbewahrt.
 

 

Das Bernauer Bier

 

Ein Schuster nahm einen Lehrjungen aus Bernau an. Als er Besuch bekam, schickte er den Jungen los, um Bernauer Bier zu holen, das damals für seine Qualität berühmt war. Er gab ihm das Geld und eine kupferne Flasche. Der Junge wusste nicht, dass er zum Berlinischen Ratskeller in die Gertraudenstraße gehen sollte, wo es dieses Bier gab. Statt dessen lief er folgsam bis nach Bernau, in der Meinung, dass er recht handele und im Sinne des Meisters.

Dabei vergingen Stunde um Stunde und schließlich kam der Meister zum Schluss, der Lehrjunge hätte ihn um das Geld betrogen. Der Junge hingegen langte bei Sonnenuntergang in Bernau an und besuchte zugleich seine Eltern. Diese waren ärgerlich, dass der Meister den Jungen wegen einiger Maß Bier so weit geschickte hatte. Trotzdem füllten sie die Flasche voll und der Vater begleitete seinen Sohn bis zur Stadtgrenze. Bald begegnete dem Jungen von Bernau ein anderer Junge aus der Nachbarschaft, der ihn warnte: "Nun, du wirst bestimmt mit dem Knieriemen empfangen werden, wenn du nachhause kommst. Du solltest doch das Bier aus dem Berlinischen Ratskeller holen." Der arme Schusterjunge war nun aber voller Angst und Furcht wegen des begangenen Fehlers. Er beschloss fortzugehen und weder zum Meister noch nach Bernau zurückzukehren. Er vergrub die Bierflasche unter einem Baum und lief bis zur schlesischen Grenze, wo er sich als Soldat verdingte.

Mittlerweile hatte auch der Schustermeister erfahren, dass der Junge bis nach Bernau zum Bier holen gelaufen sei. Er kam zu dem Schluss, dass der Junge aus Angst vor Strafe weggelaufen sei und bereute nun, ihm nicht genauere Anweisung gegeben zu haben.

Nach 18 Jahren beschloss der ehemalige Lehrling, der inzwischen Rittmeister geworden war, Deutschland zu besuchen. Unter dem Vorwand, sich Stiefel anpassen zu lassen, ging er auch zu seinem ehemaligen Lehrherren. Unter anderem fragte der Rittmeister den Schuster, ob er nicht auch einmal einen Lehrling aus Bernau gehabt habe. Daraufhin erzählte  ihm dieser die ganze traurige Geschichte. Der Rittmeister gab sich als eben dieser Junge zu erkennen. Da der Schuster dies nicht glauben wollte, gingen sie gemeinsam zum Baum, unter dem die Flasche vergraben lag. Das Bier hatte zwar eine Haut bekommen, schmeckte aber besonders gut.

 

Der Weber am Georgentor

 

Einst soll ein armer Weber in bestimmten Nächten klirrende Schritte vor seinem Haus gehört haben, die auf und ab gingen, so dass man meine, es versammle sich dort ein ganzer Haufen. Lange Zeit bezwang er seine Furcht und Neugier, doch schließlich verbarg er sich hinter einem Fliederbusch an seiner Gartentür. Gegen Mitternacht sah er dann einen Johanniterritter die Straße herabkommen. Der schritt wartend auf und ab, bis sich bald mehrere Ordensherren näherten, sich schweigend begrüßten und den schwarzen Mantel abwarfen. Nun standen Templer dort in ihren weißen Mänteln mit dem roten Kreuz. Sie waren nicht gern gesehen und gingen stets in Verkleidung, seitdem sie aus dem heiligen Land ins Elend gefahren waren.

Die Tempelritter eilten durch das Tor, das sich von selbst öffnete und wieder schloss, dicht gefolgt von dem Weber. Vor der Stadt schlug der Anführer das Zeichen des Kreuzes und aus einer Wolke senkten sich schneeweiße Rosse herab, für jeden Ritter ein Tier. "Nach Jerusalem, nach Golgatha!" sagte der Älteste und die Rosse erhoben sich und verschwanden mit den Templern nach Osten.

"Gelobt sei Jesus Christus!" murmelte der Weber erschrocken und als Antwort ertönte eine Stimme aus der Höhe: "Ein ander Wort wäre dein Tod gewesen. Geh heim!"

Zitternd kehrte der Lauscher um und musste bis zum Morgen vor dem Stadttor warten

 

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