motzbuch - der Buchladen in Schöneberg

 

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Pressestimmen

Berliner Zeitung
9
. Juni 2000

SCHÖNEBERG

Die Buchhändlerin erzählt, wo Billy Wilder wohnte

Zum 100. Geburtstag des Viktoria-Luise-Platzes hat Susanne Twardawa
ein Porträt über die Anlage geschrieben

von Julia Haak

Susanne Twardawa stört, dass die Geschichte von Orten und Personen so schnell in
Vergessenheit gerät. "Wer weiß denn schon heute noch, wer Viktoria Luise war?",
fragt sie. Susanne Twardawa ist Buchhändlerin. Ihr gehört die kleine Buchhandlung
"motzbuch" an der Motzstraße 32. Frau Twardawa ist, wie sie es auf ihren eigenen
Broschüren ausdrückt, eine "Buchhändlerin mit Liebe zur Heimatkunde". Und deshalb
kann sie es nicht einfach hinnehmen, dass nur wenige Berliner mit dem Namen Viktoria
Luise noch etwas anfangen können. Denn der nach ihr benannte Platz in Schöneberg
wird heute 100 Jahre alt.

Führungen über den Platz

Susanne Twardawa hat ein Buch über den Platz geschrieben. Das will sie heute auf
dem Areal inmitten des Bayerischen Viertels verkaufen. Sie hat auch dafür gesorgt,
dass die umliegenden Geschäfte etwas Festliches veranstalten. Und sie bietet Führungen
an. Gegen das Vergessen. Ab elf Uhr will sie Interessierte auf die Details des vom
königlichen Garteninspektor Fritz Encke angelegten Schmuckplatzes aufmerksam
machen. Sie will Geschichten über die Häuser erzählen, die das Sechseck mit
Springbrunnen und Kolonade umgeben.

Dann können Zuhörer erfahren, dass Viktoria Luise die Tochter von Kaiser Wilhelm II. war,
dass sie den Welfenprinzen Ernst August von Hannover heiratete und dass sie als Kind in
dem Haus mit der Nummer neun am Viktoria-Luise-Platz gewohnt hat. Das Jugendstil-
gebäude  steht noch. Eine steinerne Portiersfrau bewacht den Eingang. In der ehemaligen
Prinzessinnenwohnung ist ein Ballsaal mit prächtigen Deckengemälden erhalten. Putten
im Garten und bleiverglaste Ornamentfenster zieren das Haus.

Susanne Twardawa hat sich mit jedem Gebäude am Platz beschäftigt. Mit dem
reformerischen  Messel-Haus des Lette-Vereins und mit dem märkischen Back-
steinstil der Nummer drei. Ihr gefällt das Haus Nummer elf aus den 60er-Jahren -
ganz in Hellblau und Rosa. "In dem Haus, das hier  früher stand, wohnten der
Komponist Ferruccio Busoni und der Filmregisseur Billy Wilder", sagt die
Buchhändlerin. Darauf weisen auch Gedenktafeln hin.

Weniger bekannt ist, was der Architekt mit den steinernen Allegorien am U-Bahn-
Eingang aussagen wollte. Das Relief zeigt ein sich küssendes Pärchen mit Flügeln.
"Es muss der elektrische Funke sein",  sagt die Autorin. Ganz sicher ist sie nicht,
aber die interessanten Details begeistern sie.

Als Nächstes die Motzstraße

Die 48-jährige, in Nürnberg geborene Buchhändlerin ist bereits seit 1972 in Berlin.
Historische Dokumentationen von ihr gibt es ebenfalls zum Winterfeldt- und zum
Nollendorfplatz. Als Nächstes will sie sich die Motzstraße vornehmen. Der Schöneberger
Kiez hat es ihr angetan.  "Es gibt so viel Interessantes zu erzählen. Man kann doch nicht
zulassen, dass das alles in Vergessenheit gerät", sagt sie. Irgendwie wirkt ihre
Begeisterung ansteckend.

"100 Jahre
Viktoria-Luise-Platz", Verlag
Schelzky&Jeep, 32 Mark.